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Letzte unvollendete Enzyklika von Pius XII.

Papst Pius XII. in der Sedia Gestatoria während einer Messe zum Gedenken an den 10. Jahrestag seiner Krönung.

Die letzte unvollendete Enzyklika von Pius XII.

Im Juni 2026 erschien auf dieser Website bereits ein kurzer Beitrag über eine unvollendete und nicht veröffentlichte Enzyklika von Pius XII., weil der Papst zu früh verstarb. Der Titel des Beitrages lautet: Enzyklika „Cultum Regi Regum“ – Entwurf von Pius XII. Nun findet sich auf der Website ‚Introibo‘ ein Beitrag vom 12. Oktober 2026, der weitere Informationen über die letzte unvollendete Enzyklika von Pius XII. enthält. Aus diesem Grund veröffentlichen wir ihn hier:

Cultum Regi Regum: Eine Verteidigung von Papst Pius XII.

von: Introibo

Ich habe bereits früher geschrieben, dass Papst Pius XII. zu den am ungerechtesten angegriffenen Päpsten zählt – insbesondere von jenen, die sich als „Traditionalisten“ bezeichnen. Seiner Heiligkeit wurde vorgeworfen, er sei „nachsichtig gegenüber dem Modernismus“ gewesen, und sein Pontifikat habe angeblich „zum Zweiten Vatikanischen Konzil geführt“. Diese Anschuldigungen sind unbegründet.

Er war einer der bedeutendsten Päpste der Geschichte, wie ich stets betont habe. Vor Jahren erzählte mir mein geistlicher Vater, Pater Gommar DePauw (JCD), dass Papst Pius XII. einen umfassenden Angriff auf den Modernismus geplant habe. Pater DePauw berichtete, Papst Pius sei vor Gott gerufen worden, bevor dieser Plan in die Tat umgesetzt werden konnte. Ich glaubte ihm, da er ein wahrhaftiger Priester war, doch stützte sich meine Gewissheit allein auf sein Wort. Bis vor Kurzem.

Im Jahr 2020 wurden die Pacelli-Archive (Eugenio Pacelli war der bürgerliche Name von Pius XII.) geöffnet. Der deutsche Historiker Matthias Daufratshofer entdeckte Entwürfe für das, was die monumentalste Enzyklika der Neuzeit hätte werden sollen. Die Forschenden Sr. Sabine Schratz und Daniele Premoli veröffentlichten eine Rekonstruktion des unveröffentlichten Textes dieser Enzyklika, die den Titel *Cultum Regi Regum* – „Verehrung für den König der Könige“ – tragen sollte.

Die Enzyklika war als Fortsetzung der bedeutenden Enzyklika *Humani Generis* gedacht, die Papst Pius XII. 1950 verkündet hatte und in der „… einige falsche Meinungen, die die Grundlagen der katholischen Lehre zu untergraben drohen“, verurteilt wurden. Verfasst wurde der Entwurf von dem großen Dominikaner-Theologen Pater Reginald Garrigou-Lagrange.

Zu den wesentlichen Punkten gehören:

– Enzykliken behandeln üblicherweise Themen, die bereits Gegenstand der Lehre sind; sollte der Papst jedoch ein endgültiges Urteil in einer strittigen Frage fällen, so gilt diese als nicht mehr diskutierbar.

– Die göttliche Offenbarung wurde der Kirche von Gott als Wegweiser gegeben, damit sie ihr lebendiges Lehramt ausüben kann – nicht für eine private, deterministische Auslegung.

– Manche bestreiten die göttliche Urheberschaft der Heiligen Schrift (teilweise oder gänzlich) und interpretieren sie auf der Grundlage einer Exegese, die nach verborgenen Bedeutungen sucht, anstatt sich an der Lehre der Kirche zu orientieren. Sie behaupten, eine neue Exegese des Alten Testaments würde Schwierigkeiten bei der wörtlichen Auslegung durch symbolische oder geistige Wahrheiten ersetzen.

– Ihre Behauptungen widersprechen den Auslegungsnormen, die in früheren Enzykliken dargelegt wurden.

– Zweifel an geoffenbarten Wahrheiten sind die Folge dieser Denkweise (z. B. Schöpfung aus Liebe, Gottes ewiges Vorherwissen der freien Entscheidungen des Menschen usw.).

– Engel, das Wesen, die übernatürliche Ordnung, die Erbsünde, die Sünde im Allgemeinen, die Wirksamkeit des Opfers Christi und die Realpräsenz werden infrage gestellt.

– Die Notwendigkeit und der Wert der Kirche sowie des Glaubens an sich werden bezweifelt.

– Auf diese Irrtümer wird hier hingewiesen, da einige katholische Theologen ihnen verfallen und deshalb zurechtgewiesen werden.

– Die Kirche stützt sich auf die Vernunft, um den Glauben, das Gesetz Gottes, die Geheimnisse und sogar die Existenz Gottes zu verstehen. Die Vernunft bedarf der Schulung und führt zur Wahrheit.

– Das Lehramt erstreckt sich nur auf Fragen des Glaubens und der Sitte. Eine „neue“ Wahrheit kann eine etablierte Wahrheit nicht außer Kraft setzen, wohl aber Irrtümer korrigieren.

– Priester müssen Philosophie erlernen; die Methode des hl. Thomas von Aquin hat sich dabei bewährt.

– Gegner behaupten, die von der Kirche verwendete traditionelle Philosophie eigne sich zwar für die Grundausbildung, nicht aber für die praktische Anwendung, und alle anderen Philosophien seien – ungeachtet ihrer Weiterentwicklung – letztlich mit dem Katholizismus vereinbar.

– Sie behaupten, die Philosophie der Kirche spreche nur den Verstand an und vernachlässige Willen und Gefühle; dies ist jedoch historisch eindeutig falsch, denn die Kirche lehrt, dass der Wille eine Wahrheit erkennen kann, die über das hinausgeht, was der Verstand aus eigener Kraft erschließen kann.

– Theodizee und Ethik (philosophische Disziplinen) sind durch diese neuen Ansichten gefährdet. Nicht nur werden sie selbst herabgewürdigt, sondern auch der Schutz, den das kirchliche Lehramt bietet.

– Auch Theorien, die noch nicht wissenschaftlich bewiesen, sondern lediglich als Hypothesen aufgestellt sind, können erörtert werden. Solche Theorien dürfen jedoch nur in Betracht gezogen werden, wenn sie der kirchlichen Lehre nicht widersprechen.

– Die Evolution des Menschen (Ursprung des Menschen aus bereits existierender lebender Materie) kann diskutiert werden, darf aber nicht der Lehre widersprechen, dass Gott der unmittelbare Schöpfer der Seelen ist.

– Der Polygenismus (Ursprung von zwei oder mehr verschiedenen Stammeltern) ist mit der Erbsündenlehre unvereinbar.

– Die ersten elf Kapitel der Genesis mögen zwar nicht dem modernen Geschichtsverständnis entsprechen, doch die Einbeziehung von Überlieferungen erfolgte unter göttlicher Inspiration.

– Es handelt sich folglich nicht um frei erfundene Mythen, sondern um Ausdrucksformen der Wahrheit. Die Verfasser der heiligen Schriften des Altertums waren den weltlichen („profanen“) Autoren jener Zeit eindeutig überlegen.

Während Papst Pius also die modernen Irrtümer verurteilte, ließ er dennoch Raum für eine Diskussion über die Evolution des menschlichen Körpers sowie – in bestimmten Fällen – für eine nicht wörtliche Auslegung der Genesis (ein Ansatz, der bereits von Papst Pius X. vertreten worden war).

Besonders hervorzuheben ist das Dokument Cultum Regi Regum, das 1957 anlässlich des 50. Jahrestages der bahnbrechenden Verurteilung des Modernismus durch Papst Pius X. – der Enzyklika Pascendi Dominici Gregis – veröffentlicht werden sollte. Es war als „Pascendi der Neuzeit“ gedacht. (Anm.: Dieser Beitrag basiert auf den Informationen, die ich aus den Schriften von Forschern – sowie den Kommentaren dazu – zusammentragen konnte.)

Was bekannt ist: Die Theologen, die den Entwurf verfassten

Am 29. Dezember 1956 setzte Papst Pius XII. eine Theologenkommission ein, um den Entwurf für die Enzyklika zu erarbeiten. Die Kommission unterstand der Obersten Heiligen Kongregation des Heiligen Offiziums, die von dem gelehrten und heiligen Kardinal Alfredo Ottaviani geleitet wurde. Mindestens fünf der beteiligten Theologen sind namentlich bekannt:

1. P. Reginald Garrigou-Lagrange (1877–1964). Als Professor am „Angelicum“ vertrat er eine strenge Scholastik, die auf der Philosophie des heiligen Thomas von Aquin beruhte. Er vertrat zu Recht die Auffassung, dass die theologischen Definitionen der Kirche unveränderlich seien und in zeitlosen, objektiven, metaphysischen Kategorien ausgedrückt würden.

Garrigou-Lagrange war ein entschiedener Gegner der sogenannten *Nouvelle Théologie* (Neuen Theologie), einer Strömung, der die radikalsten modernistischen Theologen wie Henri de Lubac, Jean Daniélou und M. D. Chenu angehörten. Diese Theologen vertraten die Ansicht, Wahrheit sei dynamisch; ihr Ausdruck könne sich historisch weiterentwickeln, „ohne ihr Wesen zu verändern“.

Im Jahr 1946 spitzte sich die Lage zu, als Garrigou-Lagrange in der Zeitschrift *Angelicum* einen höchst umstrittenen Artikel mit dem Titel „Wohin führt uns die Neue Theologie?“ veröffentlichte. Seine Antwort war unmissverständlich: „Sie führt direkt in den Modernismus.“ Garrigou-Lagrange nutzte seinen erheblichen Einfluss als Konsultor des Heiligen Offiziums, um den Papst zum Handeln zu bewegen. Seine Bemühungen mündeten im August 1950 in der Verkündigung der Enzyklika *Humani Generis* durch Papst Pius XII. – ein Dokument, dessen Hauptautor Garrigou-Lagrange war.

Infolgedessen wurden mehrere Professoren der Neuen Theologie (darunter Henri de Lubac und Yves Congar) gemaßregelt und ihrer Lehrämter enthoben; auch einige ihrer Publikationen wurden beanstandet. Garrigou-Lagrange stand kurz vor einem vollständigen Sieg, als Roncalli den päpstlichen Thron bestieg, alle gemaßregelten modernistischen Theologen rehabilitierte und sie auf dem „Räuberkonzil“ willkommen hieß.

2. Erzbischof Paul Phillippe (1905–1984). Als überzeugter Antimodernist wandte sich Phillippe während des Zweiten Vatikanischen Konzils gegen die Modernisten. Nach dem „Räuberkonzil“ versuchte er in seiner Funktion als Sekretär des Heiligen Offiziums – heute bekannt als „Kongregation für die Glaubenslehre“ – den angerichteten Schaden so weit wie möglich zu begrenzen.

3. P. Sebastian Tromp (1889–1975). Tromp war von 1929 bis 1964 ein brillanter Professor für Dogmatik an der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom. Sein scharfer Verstand und seine absolute Treue zur traditionellen Scholastik verschafften ihm das Vertrauen von Papst Pius XII. Tromp war der maßgebliche Verfasser der Enzyklika Mystici Corporis Christi (1943); dieses wegweisende Dokument bekräftigte und verdeutlichte die traditionelle Ekklesiologie, welche die Kirche als den „Mystischen Leib Christi“ begreift.

Darin setzte Tromp den Mystischen Leib Christi strikt mit der sichtbaren römisch-katholischen Kirche gleich – er verwendete das Wort „ist“ und nicht „subsistiert“. Tromp wird zu Unrecht dafür kritisiert, in der Konzilskonstitution *Lumen Gentium* auf die Formulierung „subsistiert“ gedrängt zu haben; tatsächlich versuchte er jedoch, eine noch stärker häretische Formulierung zu verhindern.

Unter Kardinal Ottaviani wurde Tromp zum wichtigsten Verteidiger des orthodoxen Glaubens im Heiligen Offizium. Er war maßgeblich an der Prüfung von Publikationen, der Untersuchung mutmaßlicher modernistischer Tendenzen und der Durchsetzung strenger katholischer Maßstäbe in der Weltkirche beteiligt. P. Tromp war der Hauptverfasser mehrerer der ursprünglichen, orthodoxen Konzilsentwürfe (Schemata), die den Konzilsvätern Ende 1962 vorgelegt wurden. Diese Entwürfe waren in einem scholastischen Latein verfasst, das darauf abzielte, moderne Irrtümer zu verurteilen und bestehende Dogmen zu bekräftigen.

4. P. Marie-Rosaire Gagnebet (1904–1983). Gagnebet war ein bedeutender französischer Dominikaner, Theologe, Historiker und Berater der Römischen Kurie. Er vertrat antimodernistische Positionen, wurde jedoch für bestimmte Methoden kritisiert, die auch von Modernisten angewandt wurden. Gagnebet nutzte diesen Ansatz jedoch nicht, um über Thomas von Aquin hinauszugehen, sondern um den Thomismus in seiner ursprünglichen Reinheit des 13. Jahrhunderts wiederherzustellen und ihn präziser zu gestalten.

Er wirkte an der Ausarbeitung des häretischen Dokuments *Lumen Gentium* mit. Er glaubte, durch seine aktive Mitarbeit sicherstellen zu können, dass das Dokument keine tatsächlichen theologischen Irrtümer oder Häresien enthielt. Er irrte sich (offensichtlich) und geriet in eine kompromittierende Lage.

5. P. Augustin Bea (1881–1968). Ein falscher Fuffziger, wie er im Buche steht. Bea war von 1930 bis 1949 Professor und später Rektor des renommierten Päpstlichen Bibelinstituts in Rom. Er war ein Meister der biblischen Archäologie und der alten Sprachen. Von 1945 bis 1958 fungierte Bea als persönlicher geistlicher Begleiter und Beichtvater von Papst Pius XII. Aufgrund dieses engen Vertrauensverhältnisses konnte Bea Papst Pius XII. davon überzeugen, dass bestimmte Geistliche rechtgläubig (oder rehabilitiert) seien und eine Beförderung in das Kardinals- oder Bischofsamt verdienten. (Der Papst genießt bei kirchlichen Ernennungen keinen Schutz durch den Heiligen Geist). Nach allem, was man von außen beurteilen konnte, war Bea ein Antimodernist.

Selbst P. DePauw war dieser Ansicht.

Sobald Roncalli als der falsche „Papst“ Johannes XXIII. an die Macht kam, zeigte Bea sein wahres Gesicht als Ultramodernist. Roncalli zögerte nicht, Bea zum „Kardinal“ zu ernennen, und gründete 1960 das Sekretariat zur Förderung der Einheit der Christen unter Beas Leitung. Zweck dieses Sekretariats war die Förderung eines radikalen Ökumenismus; da es unabhängig vom Heiligen Offizium agierte, konnte Kardinal Ottaviani dessen Vorgehen nicht unterbinden.

Bea wetterte heftig gegen die antimodernistischen Vorbereitungsschemata. Im Jahr 1962 trat er während der Konzilsberatungen auf und griff diese scharf an, mit der Begründung, den Texten mangele es an „Nächstenliebe“, einem „pastoralen Geist“ sowie an jeglichem Verständnis für die moderne biblische Forschung. Beas entschiedener Widerstand trug dazu bei, die Konzilsväter davon zu überzeugen, die Entwürfe der Kurie gänzlich abzulehnen und den Weg für den großen Abfall vom Glauben (die „Große Apostasie“) zu ebnen.

Während des Zweiten Vatikanischen Konzils war er maßgeblich an der Ausarbeitung modernistischer Dokumente beteiligt, insbesondere:

– *Unitatis Redintegratio*, womit sich die katholische Kirche offiziell zu einem häretischen Ökumenismus bekannte;

– *Nostra Aetate*, worin Heidentum und Islam gelobt wurden und bestritten wurde, dass die Juden zu Recht als „Gottesmörder“ bezeichnet werden;

– *Dignitatis Humanae*, womit allen Menschen ein „Recht“ auf Religionsfreiheit zugesprochen wurde – eine völlige Abkehr von der kirchlichen Lehre über religiöse Toleranz und dem Grundsatz, dass „der Irrtum keine Rechte hat“.

Von den fünf Theologen, von denen wir wissen, dass sie der Kommission angehörten, waren somit vier zu jener Zeit überzeugte Antimodernisten (ich würde behaupten, dass Garrigou-Lagrange nie kompromittiert wurde, da er 1964 verstarb), und nur einer war ein Modernist im Verborgenen. Angesichts der beteiligten Autoren dürfte die Enzyklika ein theologisches Meisterwerk darstellen. Wir müssen nun darauf warten, dass Forscher den genauen lateinischen Wortlaut veröffentlichen.

Was wir über die Enzyklika wissen

Der Entwurf trug das Datum des 15. August 1958, des Festes Mariä Himmelfahrt. Am 27. September wurde er der Vollversammlung der Kommission zur Prüfung vorgelegt; Papst Pius XII. verstarb jedoch zwölf Tage später, am 9. Oktober, ohne das Dokument unterzeichnet zu haben. Da der Text zahlreiche Überarbeitungen durchlief, kam es nie zu der ursprünglich für 1957 geplanten Veröffentlichung. *Cultum Regi Regum* sollte aus sechs Kapiteln bestehen. Hier ist die Gliederung:

Kapitel Eins: Das Wesen der Religion

Wichtige Punkte:

– Nachdrückliche Ablehnung des Modernismus und der „vitalen Immanenz“ – jener Vorstellung, wonach Religion nicht bei intellektuellen Glaubensüberzeugungen oder äußeren Lehrsätzen ansetzt. Stattdessen beginne sie als blindes, unterbewusstes Gefühl, das von Modernisten oft als „religiöser Sinn“ oder Herzensempfindung beschrieben wird. Die Enzyklika stellt klar, dass Religion eine Tugend ist und kein bloßes Gefühl oder eine Identität.

– Religion besteht in der allein Gott gebührenden Anbetung (cultus latriae).

– Scharfe Verurteilung der Versäumnisse von Einzelnen und der Gesellschaft hinsichtlich der Heiligung des Sonntags.

Kapitel Zwei: Liturgischer Gottesdienst und private Frömmigkeit

Wichtige Punkte:

– Wie in einer Vorahnung der Zukunft wird der Gottesdiensttypus „Novus Bogus“ entschieden abgelehnt. Die Lehre der Enzyklika Mediator Dei wird weiter ausgeführt.

– Verurteilung des Antiquarismus sowie der Konzelebration der Messe, ausgenommen in besonderen oder seltenen Fällen. „Eine Messe, bei der hundert Priester mitwirken, ist nicht gleichwertig mit hundert separat zelebrierten Messen.“

– Der Priester ist nicht der Leiter einer Versammlung, deren Wirksamkeit von der gemeinschaftlichen Beteiligung des Volkes abhängt.

– Private Andachtsübungen sind zu pflegen und zu fördern, insbesondere der Rosenkranz.

Kapitel Drei: Moraltheologie

Wichtige Punkte:

– Das Naturrecht ist hervorzuheben und subjektivistische Moraltheorien sind abzulehnen.

– Verurteilung derer, die leugnen oder in Zweifel ziehen, dass der Hauptzweck der Ehe die Zeugung und Erziehung von Kindern ist, und die dadurch die gegenseitige Unterstützung der Eheleute (den Nebenzweck) dem Hauptzweck gleichstellen.

– Die geweihte Jungfräulichkeit ist der höchste Stand und steht über der Ehe (Bestätigung des Konzils von Trient).

– Die Gefahren des Materialismus werden verurteilt.

Kapitel Vier: Das Glaubensbekenntnis

Wichtige Punkte:

– Katholiken müssen den einen wahren Glauben mutig und vollständig bekennen – nicht nur teilweise – und dürfen niemals auch nur in einem einzigen Glaubenspunkt Kompromisse eingehen.

– Hinsichtlich falscher Religionen ist eine Zusammenarbeit zum Gemeinwohl zulässig; doch dürfen Glaubensunterschiede niemals zugunsten einer falschen Vorstellung von „Brüderlichkeit“ beiseitegeschoben werden – „ein gesunder Arzt mag neben einem Arzt mit einer ansteckenden Krankheit arbeiten, doch eine engere Zusammenarbeit erfordert größere Wachsamkeit gegenüber einer Ansteckung.“

– Wahrer Ökumenismus besteht darin, die Anhänger falscher Religionen in die eine wahre Kirche zu führen, und nicht darin, katholische Wahrheiten, die sie befremden könnten, herunterzuspielen oder zu verschweigen.

Kapitel Fünf: Autorität und Freiheit in der Kirche

Wichtige Punkte:

– Unsere Religion ist ein Weg der Autorität und des Gehorsams (via auctoritatis et obedientiae).

– Theologen spielen eine entscheidende Rolle, jedoch nur, wenn sie mit dem Lehramt vereint sind und dessen Billigung genießen.

– Erneute und umfassendere Verurteilungen der „Neuen Theologie“ und des Modernismus.

Kapitel Sechs: Die religiöse Ordnung und die weltliche Ordnung

Wichtige Punkte:

– Die Enzyklika Quas Primas wird bekräftigt: die soziale Königsherrschaft Jesu Christi.

– Jeder Staat muss danach streben, ein katholischer Staat zu sein, da jeder Staat der einen wahren Kirche öffentliche Anerkennung schuldet. Ein religiös neutraler Staat widerspricht dem Willen Gottes; alle müssen danach streben, ihn katholisch zu gestalten.

– Die Ansichten von John Courtney Murray werden verworfen.

– Die soziale Königsherrschaft Christi ist eine Schlussfolgerung aus der menschlichen Natur und keine Nostalgie nach vergangenen Zeiten. Gemeinschaften können sich nicht so organisieren, als sei Gott irrelevant.

(Quelle: Journal of Modern and Contemporary Christianity: „L’Enciclica Pascendi dei tempi moderni. Il progetto per l’ultima enciclica di Pio XII (1956-58).“ Bd. 3, Nr. 1 (April 2024).)

Ein oft missverstandener Papst

Es ist offensichtlich, dass Papst Pius XII. kein „Modernist“ war. Viele der gegen ihn erhobenen Vorwürfe beruhen auf einem Missverständnis katholischer Prinzipien. Pius versuchte, den Katholizismus für die Auseinandersetzung mit den Herausforderungen des 20. Jahrhunderts „wehrhaft“ zu machen. Mit der zunehmenden Säkularisierung der Staaten wurde es schwieriger, für die Teilnahme am allerheiligsten Messopfer freigestellt zu werden. Daher wurden Abendmessen eingeführt – und damit verbunden die auf drei Stunden verkürzte eucharistische Nüchternheitsvorschrift –, damit alle Gläubigen die heilige Kommunion empfangen konnten.

Die Reformen der Karwoche werden oft zu Unrecht als „Kürzung der Gebete“ kritisiert. Wenn Kürze gleichbedeutend mit „weniger heilig“ wäre – was müssten wir dann von Papst Pius V. halten? Bei seiner Reform des Römischen Messbuchs strich er spätmittelalterliche „Farcierungen“ (eingefügte, lokale Tropen oder poetische Einschübe in Standardgesänge wie Kyrie und Gloria) sowie zweifelhafte Zutaten und reduzierte die Anzahl der liturgischen Sequenzen auf nur vier.

Zudem strich Pius V. einige lokale Heiligenfeste und Doppelungen im Heiligenkalender, um für mehr Übersichtlichkeit zu sorgen. In manchen Diözesen konnte eine Messe sehr viel Zeit in Anspruch nehmen. Ist das Messbuch von 1570 deshalb irgendwie „weniger traditionell“ oder „weniger heilig“, weil bestimmte Gebete und Feste entfernt wurden?

Fazit: Eine Ehrenrettung für einen großen Papst

Für all jene, die Papst Pius XII. vorwarfen, er sei „nachsichtig gegenüber dem Modernismus“, „liberal“ oder führe „Neuerungen“ in der Liturgie ein, offenbart diese nie veröffentlichte Enzyklika das Bild eines großen Pontifex, der den katholischen Glauben liebte und die Eine Wahre Kirche verteidigte.

Papst Pius XII. war keineswegs ein „Neuerer“; vielmehr nutzte er katholische Prinzipien, um auf moderne Erfordernisse zu reagieren und zugleich die Eine Wahre Kirche gegen ihre Feinde zu verteidigen. Man fragt sich unwillkürlich, was geschehen (oder unterblieben) wäre, wenn *Cultum Regi Regum* promulgiert worden wäre. Hätte man so das Zweite Vatikanische Konzil verhindern können?

Das weiß allein Gott. Eines steht nun fest: Papst Pius XII. war ein wahrer Papst und somit kein Modernist. Er hegte keinerlei Sympathie für den Modernismus und war bis zuletzt im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte. Seine Kritiker sollten verstummen. Sollte das Papsttum jemals wiederhergestellt werden, erleben wir womöglich die Heiligsprechung von Eugenio Pacelli als Papst Pius XII.

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