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Enzyklika Humanum genus Kirche und Freimaurerei

Papst Leo XIII. (ca. 1878)

Enzyklika Humanum genus – Die Kirche und die Freimaurerei

Papst Leo XIII. v. 20. 4. 1884

An alle Ehrwürdigen Brüder, Patriarchen, Primaten, Erzbischöfe und Bischöfe der katholischen Welt, die in Gnade und Gemeinschaft dem Apostolischen Stuhl verbunden sind.

Ehrwürdige Brüder!
Gruß und Apostolischen Segen!

I. Einleitung

1. Das Reich Gottes und das Reich des Satans auf Erden

513. Nachdem die Menschheit durch den Neid des Teufels von Gott, dem Schöpfer und gütigen Spender der himmlischen Güter, elendiglich zum Abfall gebracht worden ist, hat sie sich seitdem in zwei verschiedene und einander feindliche Heerlager gespalten; während das eine von ihnen einen beständigen Kampf zu führen hat für Wahrheit und Tugend, streitet das andere für das Gegenteil. —

Das eine ist das Reich Gottes auf Erden, nämlich die wahre Kirche Jesu Christi; wer ihr von Herzen und in richtigem Streben nach seinem Heil zugehören will, muss notwendigerweise Gott und seinem Eingeborenen Sohne mit allen Kräften des Verstandes und Willens dienen. Das andere Reich ist das des Satans, in dessen Botmäßigkeit und Gewalt alle die stehen, welche dem verhängnisvollen Beispiel ihres Führers und unserer Stammeltern folgend, dem göttlichen und ewigen Gesetz den Gehorsam verweigern und bei vielen ihrer Bestrebungen Gott ganz außer Acht lassen und zurücksetzen, bei den meisten sogar Gott entgegenarbeiten.

Dieses zweifache Reich, das zwei Staaten gleicht, die bei gerade entgegengesetzten Gesetzen ganz entgegengesetzte Wege gehen, hat der hl. Augustinus mit scharfem Blick erkannt und beschrieben und eines jeden Grundgedanken kurz und doch feinsinnig zusammengefasst mit den Worten: „Diese zwei Reiche hat eine zweifache Liebe geschaffen: das irdische die Eigenliebe bis zur Verachtung Gottes, das himmlische die Gottesliebe bis zur Verachtung seiner selbst“ (De civitate Dei 14, 17).

2. Die Gottlosen werden von der Freimaurerei unterstützt

514. Mit verschiedenen und mannigfachen Waffen und in verschiedener Kampfesweise hat das eine das andere zu allen Zeiten bekämpft, wenn auch nicht immer mit derselben Heftigkeit und dem gleichen Ansturm. In der gegenwärtigen Zeit scheinen die, welche es mit dem Bösen halten, sich zusammen zu verschwören zu einem überaus erbitterten Kampf unter Leitung und mit Hilfe des weit verbreiteten und wohl organisierten Bundes der sogenannten Freimaurer.

Denn ohne ihre Pläne auch nur zu verheimlichen, stacheln sie jetzt schon ganz verwegen einander zum Gotteshass auf. Offen und unverhohlen arbeiten sie daran, die heilige Kirche zu vernichten, und zwar in der ausgesprochenen Absicht, wenn möglich, die christlichen Völker aller der Güter gänzlich zu berauben, die ihnen durch unseren Heiland Jesus Christus zuteil geworden sind. Unter dem Druck dieser Übel, unter dem Wir seufzen, drängt Uns die Liebe, oft zu Gott zu rufen: „Siehe, deine Feinde toben, und die dich hassen, erheben ihr Haupt; über dein Volk fassen sie bösen Rat und sinnen wider deine Heiligen. Sie sprechen: kommt, dass wir sie vertilgen aus den Völkern“ (Ps. 82, 3 bis 5).

Bei so dringender Gefahr, bei so entsetzlichem, hartnäckigen Kampf gegen alles, was christlich heißt, ist es Unsere Pflicht, hinzuweisen auf die gefährliche Lage, die Gegner kenntlich zu machen, ihren hinterlistigen Plänen, soviel in Unserer Kraft steht, Widerstand zu leisten, damit die nicht ewig zu Grunde gehen, deren Seelenheil Uns anvertraut ist, und damit das Reich Jesu Christi, das Wir zu schützen haben, nicht bloß bestehen bleibe und unversehrt fortdauere, sondern durch steten Zuwachs auf der ganzen Erde sich ausbreite.

3. Die Päpste haben diese Sekte verurteilt

a) Clemens Xll. bis Pius IX.

515. Die römischen Päpste, Unsere Vorfahren, haben sorgfältig über das Heil des christlichen Volkes gewacht und diesen Erzfeind gleich erkannt, sowie er nur aus dem Dunkel geheimer Verschwörung heraustrat, wer er sei und was er wolle. Sie haben die Zukunft vorausgesehen und Fürsten und Völkern gewissermaßen ein Zeichen gegeben und sie gemahnt, sich doch nicht durch die auf Täuschung berechneten Kunstgriffe und Schlingen fangen zu lassen. —

Der erste Hinweis auf die Gefahr erfolgte durch Clemens XII. im Jahre 1738; seine Konstitution wurde von Benedikt XIV. bestätigt und erneuert. In ihre Fußstapfen trat Pius VII., Leo XII. aber fasste in seiner Apostolischen Konstitution Quo graviora zusammen, was in dieser Angelegenheit die früheren Päpste getan und bestimmt hatten und erklärte es als gültig und rechtskräftig für alle Zeiten. Im gleichen Sinne sprachen sich Pius VIII, Gregor XVI. und sehr oft Pius IX. aus.

Bald traten nämlich die Einrichtung und der Geist der Freimaurersekte durch offene Merkmale ans Licht. Man erkannte das innere Wesen aus den Statuten, Gebräuchen und Schriftstücken, die veröffentlicht wurden. Dazu trat des Öfteren das Zeugnis der Eingeweihten selbst.

Da hat aber auch sogleich der Apostolische Stuhl öffentlich verkündet und erklärt: die Sekte der Freimaurer sei rechtswidrig, christusfeindlich und nicht minder staatsgefährlich. Unter Androhung solcher Strafen, welche die Kirche nur bei schweren Verbrechen anzuwenden pflegt, hat sie den Eintritt in diese Sekte streng untersagt. Hierdurch erbost, glaubten die Geheimbündler der Wucht dieses Bannstrahles sich zu entziehen oder ihn abzuschwächen teils durch dessen Verachtung, teils durch Verleumdung, indem sie die Päpste, welche die Dekrete erlassen hatten, der Ungerechtigkeit in ihren Entscheidungen beschuldigten, oder ihnen nachsagten, sie hätten hierbei das Maß überschritten.

Mit solchen Scheingründen versuchten sie das Ansehen und die Bedeutung der Apostolischen Entscheidungen eines Clemens XI. und Benedikts XIV. wie auch eines Pius VII. und Pius IX. zu vernichten.

Doch fehlte es in ihrem eigenen Bund nicht an solchen, die, wenn auch wider Willen, zugestanden, vom Standpunkt der katholischen Lehre und Disziplin aus wären die Päpste mit vollem Recht verfahren. Hierin haben viele Fürsten und Regierungen den Päpsten vollkommen recht gegeben, jene besonders, auf deren Anträge hin die Sekte der Freimaurer beim Apostolischen Stuhl verklagt wurde, oder die sie durch Gesetze als staatsgefährlich verdammten, wie dies in Holland, Österreich, in der Schweiz, in Spanien, Bayern, Savoyen und in anderen Teilen Italiens geschehen ist.

b) Die Regierungen haben nicht immer und überall den nötigen Ernst gehabt

516. Von höchstem Interesse ist es aber, dass die Folgezeit bewies, wie klug Unsere Vorgänger gehandelt hatten. Ihre so weisen und väterlichen Ratschläge hatten nicht immer und überall den gewünschten Erfolg: und zwar teils durch die Verstellung und Arglist der Betroffenen selbst, teils durch die Unbedachtsamkeit und den Leichtsinn jener, in deren eigenstem Interesse es lag, die Augen offen zu halten.

So ist denn die Sekte der Freimaurer in anderthalbhundert Jahren über alles Erwarten angewachsen, sie hat sich frech und listig in alle Zweige der Staatsverwaltung eingedrängt und fängt an, so mächtig zu werden, dass sie in den Staaten fast zu herrschen scheint. Aus dieser schnellen und furchtbaren Entwicklung ist in der Tat jenes Verderben entstanden, das Kirche, Fürstenmacht und Staatswohl zugleich bedroht, wie Unsere Vorgänger es längst vorausgesehen hatten.

Es ist schon so weit gekommen, dass in der Zukunft alles zu befürchten ist, nicht zwar für die Kirche, denn sie hat ein viel zu festes Fundament, als dass sie durch Menschenmacht erschüttert werden könnte, wohl aber für jene Staaten, in denen die Freimaurersekte, oder andere ähnliche Geheimbünde, die sich nur als die Büttel und Handlanger jener ersten entpuppten, gar mächtig sind.

c) Des Papstes Stellungnahme zur Freimaurerei und ihren Grundsätzen

517. Darum haben Wir, kaum dass Wir die Zügel der Kirche ergriffen, mit aller Klarheit es als Unsere erste Pflicht erkannt, diesem großen Übel mit der ganzen Macht Unserer Autorität, so weit es in Unseren Kräften steht, entgegenzutreten. —

Des Öfteren haben Wir schon die uns gebotene günstige Gelegenheit benutzt und einige Hauptgrundsätze widerlegt, auf welche die falschen freimaurerischen Ideen am meisten Einfluss zu haben scheinen.

So haben Wir in Unserem Rundschreiben „Quod apostolici muneris“ (die Kirche und der Sozialismus) die groben Irrtümer der Sozialisten und Kommunisten zu widerlegen gesucht; in einem anderen Rundschreiben „Arcanum“ (die Kirche und die Ehe) haben Wir es uns zur Aufgabe gemacht, die wahre und ursprüngliche Idee der Familie, die in der Ehe ihre Quelle und ihren Ursprung besitzt, zu schützen und zu erläutern; in dem Rundschreiben, das mit „Diuturnum“ beginnt (die Kirche und die weltliche Obrigkeit), haben Wir das Ideal einer Staatsverfassung nach den Grundsätzen der christlichen Weisheit gezeichnet, das mit dem Wesen des Staates und dem Heil der Völker und Fürsten wunderbar harmoniert.

Jetzt aber haben Wir beschlossen, nach dem Beispiel Unserer Vorfahren, die Sekte der Freimaurer selbst, ihre Grundsätze, ihre Pläne, ihre Denk- und Handlungsweise scharf ins Auge zu fassen, damit ihre boshafte Macht in immer helleres Licht gerückt werde und die Gefahr der Ansteckung vonseiten dieser unheilvollen Pest überwunden werde.

II. Das Wesen der Freimaurerei

1. Sie ist eine geheime Gesellschaft

518. Es gibt eine Reihe Sekten, die zwar von dem Freimaurerbund und voneinander nach Namen, Gebräuchen, Form und Ursprung verschieden sind, aber durch eine gewisse Gleichheit in ihrem Ziel und durch die Ähnlichkeit ihrer Grundsätze in engem Zusammenhang stehen sowohl miteinander als auch mit dem genannten Bund, in der Sache also mit der Sekte der Freimaurerei eins sind. Diese bildet gleichsam das Zentrum, von dem alle übrigen ausgehen, zu dem alle zurückkehren.

Wenn sie auch nicht mehr geheim bleiben wollen, und ihre Versammlungen öffentlich und vor den Augen ihrer Mitbürger abhalten und ihre Zeitschriften veröffentlichen, so bewahren sie dennoch, genauer betrachtet, das Wesen und den Charakter geheimer Gesellschaften. Manches bei ihnen ist geheimnisvoll. Sie müssen es nach ihren Statuten nicht bloß vor Fremden, sondern auch vor sehr vielen ihrer eigenen Mitglieder aufs peinlichste geheim halten; z. B. ihre geheimsten und letzten Pläne, die Namen der Hauptführer der Sekte, gewisse geheime Beratungen über die innersten Angelegenheiten; ferner die Beschlüsse und die Art und Weise, wie und womit diese durchzuführen sind.

Dementsprechend ist unter den Mitgliedern ein großer Unterschied an Rechten, Ämtern und Würden, gibt es verschiedene Ordnungen und Grade und herrscht eine stramme Disziplin, wodurch sie regiert werden. Die Neueintretenden müssen versprechen, ja vielfach mit einem besonderen Eid beschwören, keinem in der Welt jemals auf irgendeine Weise die Brüder, die Erkennungszeichen, die Lehren verraten zu wollen.

So bemühen sich die Freimaurer unter erlogenem Schein und mit derselben Heuchelei, wie einst die Manichäer, sich zu verbergen und keine anderen Zeugen ihres Treibens zu haben als die Ihrigen. Sie verstecken sich gerne unter dem Titel von Literaten und Freunden der Wissenschaft, die sich zu gelehrten Zwecken vereinigen; sie führen immer die Förderung höherer Bildung im Mund und die Sorge für das ärmere Volk; sie erstreben ja nur, sagen sie, das Beste des Volkes und wollen nur möglichst viele an den staatlichen Wohltaten teilnehmen lassen. Wenn das auch alles wahr wäre, so beschränkt sich ihre Tätigkeit doch darauf durchaus nicht.

Die aufgenommenen Mitglieder müssen versprechen und fest daran halten, dass sie den Führern und Meistern aufs Wort Folge leisten wollen in strengstem Gehorsam und in unverbrüchlicher Treue; sie müssen auf alle ihrer Winke und Zeichen bereit stehen und den Befehl sofort ausführen; im Weigerungsfall sollen sie die grausamsten Strafen und selbst den Tod über sich ergehen lassen. In der Tat wird die Todesstrafe nicht selten vollzogen, wenn einer überführt wird, ihr Geheimnis verraten oder das Befohlene nicht ausgeführt zu haben, und dies geschieht mit solch einer Frechheit und Schlauheit, dass nur zu häufig der Mörder dem wachsamen Auge der strafenden Gerechtigkeit entschlüpft.

Heucheln und sich im Dunkeln verbergen wollen, andere wie Sklaven mit den festesten Banden an sich zu ketten, ohne den Grund dafür klar erkennen zu lassen, Leute, welche sich einem fremden Willen verkauft haben, als Werkzeug zu jeder Freveltat zu gebrauchen, ihnen die Mordwaffe in die Hand zu drücken, nachdem man sich der Straflosigkeit versichert hat — das ist etwas so Entsetzliches, dass es die Natur nicht dulden kann. Deshalb sagt uns die eigene Vernunft und die Wahrheit, wie sie sich von selbst offenbart, dass die Gesellschaft, von der wir reden, der Gerechtigkeit und natürlichen Sittlichkeit widerspricht.

2. Ihr Fundament ist der Naturalismus

a) Sie will das Christentum stürzen

519. Sie ist um so mehr zu verdammen, als noch andere und noch klarere Gründe beweisen, dass diese Sekte ihrem Wesen nach eine unsittliche ist. Mag auch die Arglist und Verlogenheit in einem Menschen noch so groß sein, es muss wie bei jeder Ursache so auch hier in den Wirkungen sich zeigen, wie die Ursache beschaffen ist. „Ein guter Baum kann nicht schlechte Früchte bringen und ein schlechter Baum kann nicht gute Früchte bringen“ (Matth. 7, 18).

Die Sekte der Freimaurer gebührt aber verderbenbringende und äußerst bittere Früchte. Denn aus den ganz unverkennbaren Anzeichen, die Wir oben genannt haben, geht klar hervor, welches das letzte Ziel ihrer Pläne ist: nämlich die gesamte religiöse und staatliche Ordnung, die das Christentum eingeführt hat, von Grund aus zu zerstören und eine neue zu schaffen nach ihrem eigenen Plan, eine Ordnung, deren Fundamente und Gesetze auf dem Naturalismus beruhen.

Was Wir hier sagen oder noch sagen werden, ist von der Sekte der Freimaurer im Allgemeinen zu verstehen und von denen, welche sie als verwandte und verbündete Sekten in sich begreift, nicht aber von ihren einzelnen Mitgliedern. Zu diesen können manche gehören, die zwar nicht ohne Schuld sich diesen Gesellschaften angeschlossen haben, doch aber nicht selbst an den Verbrechen teilnehmen und auch nicht jenes letzte Ziel kennen, das die Sekten verwirklichen wollen. Vielleicht billigen sogar einige jener Gesellschaften nicht jene letzten Folgerungen, die sie, weil sie sich notwendigerweise aus den allgemeinen Grundsätzen ergeben, eigentlich annehmen müssten. Nur deren grobe Abscheulichkeit schreckt sie von ihnen ab.

Auch legen die Orts- und Zeitverhältnisse manchen es nahe, nicht das Äußerste zu wagen, obgleich sie selbst es wünschen oder andere es zu tun pflegen. Trotzdem muss man sie doch zum Bund der Freimaurer rechnen, weil dieser nicht nach seinen Taten, die er vollbracht, zu beurteilen ist, sondern nach der Gesamtheit seiner Grundsätze.

b) Ihr oberster Grundsatz: Die menschliche Natur ist oberste Richtschnur des Lebens

520. Wie der Name genugsam andeutet, heißt der Hauptgrundsatz der Naturalisten: die menschliche Natur und die menschliche Vernunft muss in allem oberste Lehrerin und Führerin sein. Von dieser Voraussetzung ausgehend kümmern sie sich wenig um die Pflichten gegen Gott, oder entstellen sie durch irrige und schwankende Meinungen.

Sie leugnen nämlich jede göttliche Offenbarung; sie erkennen kein Dogma an in der Religion, keine Wahrheit, die der menschliche Verstand nicht begreift, keinen Lehrer, der Kraft seiner Amtsgewalt das Recht hätte, Glauben von uns zu fordern. Da aber der katholischen Kirche einzig und allein die Aufgabe zuteil wurde, die geoffenbarten Wahrheiten und das Lehramt samt den übrigen zum Heil notwendigen Gnadenmitteln unverkürzt zu besitzen und unversehrt zu beschützen, so richtet sich demnach gegen sie der ganze Zorn und der Ansturm der Feinde.

c) Die Kirche wird von ihr geknebelt

521. Wenn wir betrachten, welche Stellung die Freimaurersekte, namentlich dort, wo sie freier auftreten kann, in religiösen Fragen einnimmt, so müssen wir sagen, dass sie die Grundsätze der Naturalisten wirklich ins Leben umsehen will. In der Tat, seit langem ist sie unermüdlich bestrebt, den Einfluss des kirchlichen Lehramtes und der kirchlichen Autorität im Staat zu vernichten; aus diesem Grund verkündigt und verteidigt sie überall den Satz, Kirche und Staat seien vollständig zu trennen. Dadurch will sie den so heilsamen Einfluss der katholischen Religion von der Gesetzgebung und der Verwaltung des Staates ausschließen, und glaubt folgerichtig das Staatswesen ohne Rücksicht auf die Einrichtungen und Vorschriften der Kirche regeln zu können.

Die Freimaurer sind aber damit nicht zufrieden, die Kirche, diese beste Führerin, beiseite geschoben zu haben, sie müssen sie selbst auch noch durch feindliche Angriffe schädigen. Und wahrhaftig, so weit ist es gekommen, dass man die Fundamente der katholischen Religion ungestraft in Rede, Schrift und auf dem Katheder angreifen darf; man schont nicht mehr die Rechte der Kirche und selbst die Ämter, die ihr von Gott verliehen, sind nicht vor den Angriffen der Feinde sicher. Ihr wird nur ein möglichst geringer Wirkungskreis gelassen.

Diese Beschränkung geschieht durch Gesetze, die scheinbar gar nicht so gewalttätig sind, in Wirklichkeit aber so recht dazu geschaffen und angetan sind, der Kirche die Freiheit zu unterbinden. Ebenso sehen wir, wie dem Klerus schwere Ausnahmegesetze auferlegt werden, so dass er von Tag zu Tag an Zahl und an den notwendigen Existenzmitteln verliert. Der Gebrauch der übrigen Kirchengüter ist durch die härtesten Gesetze eingeschränkt und der Gewalt und Willkür der Regierung überantwortet; die religiösen Ordensgesellschaften sind aufgehoben und zerstreut.

d) Der römische Papst wird auf das heftigste angegriffen

522. Seit langem ist aber schon der Kampf der Feinde entbrannt gegen den Apostolischen Stuhl und den römischen Papst. Zuerst ist er aus nichtigen Gründen seiner weltlichen Herrschaft beraubt worden, die eine Schutzmauer seiner Freiheit und seines Rechts war; bald hat man dann die Schwierigkeit seiner Lage auf alle nur erdenkliche Weise bis zur Unerträglichkeit gesteigert, schließlich ist man in unserer Zeit dabei angelangt, dass die Sektenhäupter offen aussprechen, was sie im Geheimen schon lange im Schilde führten: die heilige Gewalt der Päpste müsse abgeschafft und das auf göttlichem Recht fußende Papsttum müsse von Grund aus vernichtet werden.

Wenn auch alle anderen Zeugnisse fehlen würden, so beweist dies zur Genüge das Zeugnis von Eingeweihten. Von ihnen haben viele schon früher, viele aber auch in neuester Zeit immer wieder erklärt, es sei die wahre Absicht der Freimaurer, die katholische Religion mit unversöhnlichem Hass zu bekämpfen und nicht zu ruhen, bis sie alles vernichtet sehen, was jemals die Päpste zum Wohl der Religion geschaffen haben.

e) Die Religion wird in das Belieben des Einzelnen gestellt

523. Wenn auch jene, welche sich in die Zahl der Freimaurer aufnehmen lassen, keineswegs gezwungen werden, ausdrücklich den katholischen Glauben abzuschwören, so widerspricht das keineswegs den Plänen der Freimaurer, kommt ihnen vielmehr zugute.

Zunächst täuschen sie auf diese Weise leicht die Einfältigen und Unvorsichtigen und locken dadurch noch viel mehr an. Während sie dann Anhänger aus jeder Religion aufnehmen, gelingt es ihnen, diesen den großen Irrtum unserer Zeit beizubringen: Religion sei Privatsache, und es gebe keinen Unterschied unter den Religionsbekenntnissen. Diese Ansicht ist geeignet, jede Religion zu vernichten, namentlich aber die katholische. Die katholische Religion ist unter allen die einzig wahre, und darum ist es das höchste Unrecht, sie auf gleiche Stufe mit den anderen zu stellen.

f) Selbst natürliche Wahrheiten werden von ihnen preisgegeben

524. Aber die Naturalisten gehen noch weiter: Da ist in den wichtigsten Dingen kopflos in die Irre gegangen sind, so gelangen sie auf dem abschüssigen Weg bald zum Äußersten, sei es infolge der natürlichen Schwäche des Menschen, sei es, weil Gott in seinem Ratschluss dadurch die gerechte Strafe für ihren Stolz über sie verhängt. So kommt es, dass ihnen auch das nicht einmal mehr sicher zu sein und festzustehen scheint, was wir mit dem natürlichen Licht unserer Vernunft erkennen, wie z. B. das Dasein Gottes, die Geistigkeit und Unsterblichkeit der Seele. —

Auch die Sekte der Freimaurer bleibt auf ihrer Irrfahrt an diesen Klippen hängen. Wenn sie auch im Allgemeinen das Dasein Gottes noch bekennen, so sind sie selbst ihre eigenen Zeugen dafür, dass sie diese Wahrheit in ihrem Geist nicht fest und unerschütterlich bewahren. Sie leugnen nämlich nicht, dass die Frage über das Dasein Gottes in ihren Reihen die erste Quelle und Ursache der Streitigkeiten unter ihnen sei; ja es steht fest, dass es unter ihnen in letzter Zeit noch zu großem Streit über diesen Punkt gekommen ist.

In der Tat gestattet die Sekte ihren Mitgliedern hierin große Freiheit; es ist erlaubt, beides zu verteidigen: dass es einen Gott gibt, und auch, dass es keinen gibt; und die, welche frech behaupten, es gebe keinen Gott, werden ebenso leicht aufgenommen, wie die, welche zwar das Dasein Gottes annehmen, aber nach Art der Pantheisten eine irrige Vorstellung von ihm haben.

Dies heißt aber von Gottes Natur einen gewissen widersinnigen Schein beibehalten, in Wahrheit aber Gott leugnen. Ist dieses feste Fundament ins Wanken gebracht, so wird auch folgerichtig alles schwanken, was uns schon die Natur lehrt, dass nämlich alle Dinge durch Gottes freien Willen erschaffen worden sind, dass Gottes Vorsehung die Welt regiert, dass die Seelen unsterblich sind, und dass auf dieses irdische Leben ein anderes, ewiges Leben folgt.

g) Die natürliche Sittlichkeit gerät ins Schwanken; religionslose Erziehung

525. Kommen der Menschheit aber diese Wahrheiten abhanden, welche man als die ersten Grundsätze der Natur für unsere Erkenntnis und unser Leben bezeichnen könnte, dann leuchtet es leicht ein, wie es mit den Sitten im Leben des Einzelnen und in der Öffentlichkeit bestellt sein wird. Wir schweigen von den höheren Tugenden, welche niemand ohne ein besonderes Gnadengeschenk Gottes üben oder erreichen kann. Von ihnen wird man natürlicherweise dort keine Spur finden, wo man die Erlösung des Menschengeschlechtes, die übernatürliche Gnade, die Sakramente, die Erlangung des himmlischen Glückes als etwas Unbekanntes verwirft.

Nur von den Pflichten sprechen Wir, welche man aus der natürlichen Sittlichkeit herleitet. Der Schöpfer der Welt und ihr weiser Lenker, Gott: das ewige Gesetz, das die Wahrung der in der Natur begründeten Ordnung gebietet und ihre Störung verbietet: der Menschen letztes Ziel, welches alles Menschliche weit überragt und über der zeitlichen Wohnstätte dieser Welt liegt: das sind die Quellen, das die ersten Grundsätze der ganzen Gerechtigkeit und Sittlichkeit. Wenn man diese leugnet, wie es die Naturalisten und Freimaurer tun, dann wird die Kenntnis von Recht und Unrecht jeglichen Halt und Schutz verlieren.

Und in Wirklichkeit ist die sittliche Zucht, welche allein dem Bund der Freimaurer zusagt, und in welcher das heranwachsende Geschlecht erzogen werden müsse, jene, welche man als „bürgerliche“ und die „unabhängige und freie“ bezeichnet; das ist jene, welche von allem Religiösem absieht. Doch ihre Armseligkeit, Haltlosigkeit und Unbeständigkeit bei jedem Hauch der Leidenschaften, beweisen zur Genüge ihre bedauerlichen Früchte, die teilweise schon jetzt zu Tage treten. Wo nämlich die „freie“ Erziehung nach Verdrängung der christlichen zu herrschen begann, da schwanden schnell auch die guten, reinen Sitten: die ungeheuerlichsten Anschauungen griffen Platz und mit raschem Schritt stiegen Verwegenheit und Verbrechen.

Und diese Tatsache, welche man allgemein bitter beklagte, die muss gar mancher von denen, welche das Geständnis am wenigsten behagt, nicht selten bezeugen, weil die Wahrheit dieser Erfahrung zu klar vor Augen liegt.

h) Sie leugnet die Erbsünde und die Pflicht zur Selbstzucht

526. Da außerdem die menschliche Natur durch die Makel der Erbsünde befleckt ist und infolgedessen mehr zum Bösen als zur Tugend neigt, so ist es ein unabweisbares Erfordernis der Sittlichkeit, dass man die stürmischen Triebe des Herzens und seine Begierden unter die Herrschaft der Vernunft bringe. In diesem Kampf aber ist gar oft Verachtung des Irdischen erforderlich, und muss man die schwersten Mühen und Beschwerden ertragen, damit die Vernunft siegreich die ihr zukommende Oberherrschaft behaupte. Die Naturalisten und Freimaurer aber, die jeglichen Offenbarungsglauben verwerfen, leugnen den Sündenfall unseres Stammvaters und meinen daher, dass keineswegs der freie Wille „geschwächt sei und eine zum Bösen geneigte Richtung“ erhalten habe (Cone. Trid, Sess. VI De Instif. e. 1).

Im Gegenteil, sie übertreiben die Kraft und Vorzüglichkeit der Natur und verlegen in sie allein die Quelle und Norm der Gerechtigkeit, so dass sie auch nicht daran denken, dass zur Unterdrückung der sinnlichen Triebe und zur Regelung ihrer Begierden ein unausgesetzter Kampf und höchste Standhaftigkeit erforderlich seien. Daher müssen wir allgemein die Beobachtung machen, dass man den Menschen Lockmittel für die Sinnlichkeit in großer Zahl darreicht: Zeitschriften und Tageblätter ohne Anstand und Scham; Schauspiele, so recht geeignet, die Zügellosigkeit zu fördern; künstlerische Darstellungen, in schamloser Weise nach den Gesetzen des sogenannten Realismus entworfen; fein ausgedachte Mittel zu genussreichem, weichlichem Leben, endlich alle nur erdenklichen Lockmittel für die Sinnlichkeit, um die Tugend vollkommen einzuschläfern.

Das ist ein schändliches Unterfangen, aber ihr Vorgehen ist folgerichtig, da sie die Aussicht auf die himmlischen Güter leugnen und ihr ganzes Streben nach Glück auf das Irdische richten und gleichsam in die Erde versenken. Das Gesagte wird durch etwas bestätigt, was nicht sowohl an sich überrascht, als vielmehr deshalb, weil man sich untersteht, es auszusprechen.

Da nämlich verschlagenen und schlauen Menschen in der Regel niemand so knechtisch zu Willen ist, als die entnervten und entkräfteten Sklaven der Leidenschaften, so sind unter den Freimaurern Stimmen laut geworden, welche den Vorschlag machten: man müsse bewusst und mit kluger Berechnung darauf hinarbeiten, dass die Menge sich dem Laster ohne Grenze und Schranke in die Arme werfe: wenn das erreicht sei, dann würde sie ein urteilloses und willenloses Werkzeug zur Ausführung aller gottlosen Pläne sein.

i) Sie treten für Zivilehe und Ehescheidung ein; der Geistliche soll aus der Schule ausgeschlossen werden

527. Was nun das häusliche Leben anlangt, so lässt sich das System der Naturalisten in folgende Sätze zusammenfassen: Die Ehe sei ein rein weltlicher Vertrag und könne nach der Willkür derer, welche sie geschlossen, auch rechtmäßig gelöst werden; die Träger der bürgerlichen Gewalt hätten die Entscheidung über das Ehebündnis. Bei der Kindererziehung solle, das ist ihre sichere und feste Ansicht, kein Unterricht in einer bestimmten Religion erteilt werden, vielmehr müsse es einem jeden völlig überlassen bleiben, wenn er herangewachsen ist, sich der Richtung, der er wolle, anzuschließen!

Das ist auch in allen Punkten das Programm der Freimaurer: ja sie sind nicht bloß damit einverstanden, sondern schon längst an der Arbeit, dieses Programm im wirklichen Leben durchzuführen. So ist es in vielen Gegenden, selbst auch in katholischen, gesetzlich festgelegt, dass nur die nach dem bürgerlichen Recht geschlossenen Ehen als rechtmäßige gelten; anderwärts ist die Ehescheidung gesetzlich erlaubt und wieder an anderen Orten sucht man es dahin zu bringen, dass man auch da diese Freiheit habe. So kommt es rasch so weit, dass die Ehen ein ganz anderes Wesen bekommen, d. h. sie werden in unbeständige und flüchtige Verbindungen umgewandelt, welche die sinnliche Liebe knüpft und auch wieder, wenn sie anderen Sinnes geworden, löst.

Mit größter Einmütigkeit strebt auch die Sekte der Freimaurer danach, den Unterricht der Jugend an sich zu reißen. Denn es sei leicht für sie, das weiche und schmiegsame Alter nach ihrem Gutdünken zu bilden und es in die Bahnen zu lenken, die ihnen gefallen. Das dünkt ihnen der geeignetste Weg, um dem Staat einen Nachwuchs von Bürgern, wie sie sich ihn denken, zu schaffen.

Daher schließen sie bei der Erziehung und dem Unterricht die Diener der Kirche sowohl von der Ausübung des Lehramtes, als auch von der Beaufsichtigung der Jugend völlig aus. An mehreren Orten haben sie es durchgesetzt, dass der ganze Unterricht in Händen von Laien liegt, und dass auch aus der sittlichen Erziehung die so bedeutsamen, hohen und heiligen Pflichten, welche den Menschen mit Gott verbinden, gänzlich ausgeschaltet werden.

k) Jeder habe dasselbe Recht und die Gewalt stamme vom Volk

528. Wir kommen auf die bürgerlichen Gesetze zu sprechen. Da vertreten die Naturalisten den Standpunkt, dass alle Menschen das gleiche Recht hätten und unter ihnen in jeder Beziehung völlige Gleichheit obwalte; ein jeder sei von Natur aus frei; die Menschen einer Autorität unterwerfen zu wollen, die nicht aus ihnen selbst wäre, das heiße, ihnen Gewalt antun. Alles liege also beim freien Volk; eine Regierung bestehe nur, insoweit das Volk sie angeordnet oder eingeräumt habe, so zwar, dass, ändert das Volk seinen Willen, die Inhaber der Regierungsgewalt von dem Thron auch wider ihren Willen entfernt werden dürften.

Die Quelle aller bürgerlichen Rechte und Pflichten sei zu suchen in der Menge oder in der staatlichen Regierungsgewalt, insoweit diese nach solchen modernen Grundsätzen gestaltet sei. Außerdem dürfe der Staat nicht auf dem Boden des Glaubens an Gott stehen.

Was die verschiedenen Religionsformen anlangt, so habe man keinerlei Grund, die eine der anderen vorzuziehen, sie seien vielmehr alle als gleich anzusehen. Dass aber diese Anschauungen auch den Beifall der Freimaurer finden, und dass sie das Staatswesen nach diesem Muster gestalten wollen, ist so bekannt, dass man es erst nicht mehr zu beweisen braucht. Sie arbeiten ja auch schon lange vor aller Augen und mit allen Kräften und Mitteln daran und ebnen dadurch gar vielen von jenen Menschen, welche, weil kühner, noch schlimmeren Freveln zueilen, den Weg zu ihrem Ziel, das dahin gerichtet ist, nach Beseitigung aller obwaltenden Standes- und Vermögensunterschiede vollkommene Gleichheit und Gütergemeinschaft durchzuführen.

III. Die Gefahren der Freimaurerei

1. Sie will die Wohltaten Christi vernichten

529. Wesen und Ziel der Freimaurerei geht aus dieser Unserer Darlegung, in welcher nur die Hauptsachen erwähnt worden sind, zur Genüge hervor. Ihre Hauptlehren stehen in dem denkbar größten und offenbarsten Widerspruch mit der Vernunft. Die Religion und Kirche, welche Gott selbst gestiftet hat, und über welcher er auch alle Tage bis ans Ende der Welt seine schützende Hand hält, zerstören zu wollen, die Sitten und Einrichtungen der Heiden, die schon 18 Jahrhunderte hinter uns liegen, zurückzurufen, das zeugt von einem ganz hohen Grade von Torheit, Gottlosigkeit und Verwegenheit.

Gleich schrecklich und unerträglich ist es, dass man die Wohltaten verschmäht, die Jesus Christus in seiner Güte nicht bloß den einzelnen Menschen, sondern auch den Familien und den staatlichen Gemeinschaften erworben hat, Wohltaten, welche selbst nach dem Urteil und Zeugnis der Feinde unendlich groß sind. Aus solch wahnsinniger und abscheulicher Absicht glauben Wir das Feuer leuchten zu sehen, welches im Herzen des Satans gegen Christi lodert: einen unversöhnlichen Hass und seine Rachgier.

2. Sie bereitet dem Menschengeschlecht den Untergang

Ebenso bedeutet ferner der Versuch der Freimaurer, die Hauptgrundlagen der Rechtlichkeit und Sittlichkeit zu zerstören und denen seine helfende Hand zu bieten, welche nach Art des unvernünftigen Viehes alles, was ihnen gefällt, tun zu dürfen, wünschen nichts anderes, als das Menschengeschlecht unter Schimpf und Schande dem Untergang zuzutreiben.

3. Sie ist eine Gefahr für die Familie

530. Noch ärger aber sind die Gefahren, welche von ihrer Seite der häuslichen Gesellschaft wie auch der bürgerlichen drohen. Wie Wir an anderen Stellen dargelegt haben, sind sich alle Völker und Zeiten darin einig, dass der Ehe etwas Heiliges und Religiöses innewohnt und dass durch göttliches Gesetz die Auflösung der Ehe verboten ist. Wenn diese aber ihrer Weihe beraubt wird, wenn es erlaubt sein sollte, sie aufzulösen, dann reißt mit Naturnotwendigkeit Unordnung und Verwirrung in der Familie ein: die Frauen gehen ihrer Würde verlustig, und der Kinder Vermögen und Wohlergehen wird in Frage gestellt.

4. Sie unterwühlt den Staat

a) Ein Staat ohne Gott ist ein Frevel

531. Die Öffentlichkeit der Sorge für Religiosität gänzlich zu entheben, und bei Regelung und Verwaltung staatlicher Angelegenheiten Gott so wenig zu achten, als wenn es überhaupt keinen Gott gäbe, das ist doch eine Blindheit, die selbst den Heiden unerhört war. Denn diese waren von dem Glauben an ihre Götter so tief durchdrungen und von der Notwendigkeit der Religion so sehr überzeugt, dass man, wie sie meinten, eher eine Stadt ohne Grund und Boden, als ohne eine Gottheit finden könnte.

Und in der Tat ist die menschliche Gesellschaft, für welche wir von Natur aus geschaffen sind, von Gott, dem Schöpfer der Natur gestiftet, und von ihm fließen ihr, als aus ihrem Ursprung und ihrer Quelle, die Kraft und der Bestand jener unzähligen Güter zu, welche sie in so großer Fülle besitzt. Wie also ein jeder für sich schon durch die Stimme der Natur ermahnt wird, Gott in frommer Gesinnung und durch Heiligkeit des Wandels zu verehren, weil wir unser Leben und die Güter, mit denen dasselbe gesegnet ist, von Gott erhalten haben, so auch aus demselben Grund Völker und Staaten.

Daher begehen die, welche eine von jeder Pflicht gegenüber der Religion entbundene Gesellschaft wollen, ganz offenbar nicht bloß eine Ungerechtigkeit, sondern auch eine Unklugheit und Ungereimtheit.

b) Der rechtmäßige Träger der Gewalt ist ein Diener Gottes

532. Weil aber die Menschen durch Gottes Willen für das bürgerliche Gemeinleben und für die bürgerliche Gesellschaft geboren werden und die Regierungsgewalt ein für die staatliche Gemeinschaft so notwendiges Band ist, dass sie ohne es augenblicklich zerfällt, so folgt daraus, dass der Schöpfer der Gesellschaft zugleich Urheber der obrigkeitlichen Autorität ist. Daraus lässt sich erkennen, dass der Träger jeglicher Herrschaft, mag er sein, was er wolle, ein Diener Gottes ist.

Wie also Zweck und Wesen der menschlichen Gesellschaft es fordern, ist es recht und billig, der rechtmäßigen Gewalt, wenn sie Gerechtes vorschreibt, so zu gehorchen, als ob der alles regelnde Wille Gottes es befehlen würde, und ist es vor allem ein Irrtum, zu behaupten: es läge in der Macht des Volkes, den Gehorsam nach Belieben zu verweigern.

c) Die behauptete Gleichheit ist der Ruin des Staates

533. Ebenso zweifelt aber auch niemand, dass alle Menschen untereinander gleich seien, wenn das Geschlecht und die gemeinsame Natur, das letzte Ziel, das ein jeder erreichen soll, und die Rechte und Pflichten, welche sich von selbst daraus ergeben, in Betracht kommen. Da aber die Anlagen aller nicht gleich sein können und einer vom anderen bezüglich der Körper- und Geisteskräfte sich unterscheidet und sehr viele Unterschiede in Sitten, Willensrichtung und Charakter obwalten, widerstreitet nichts so sehr der Vernunft, als alles in einen Begriff zusammenfassen zu wollen und jene in jeder Beziehung vollkommene Gleichheit der Gestaltung des Staatswesens zu Grunde zu legen.

Wie der Bau unseres Körpers in seiner Vollkommenheit aus der Verbindung und Zusammensetzung verschiedener Glieder besteht, welche nach ihrer Gestalt und nach dem Zweck, dem sie dienen, voneinander verschieden sind, im ganzen aber und jedes an seinem Platz eine Einheit ausmachen, die schon in der äußeren Erscheinung, fest an Kräften und notwendig wegen des Vorteils würde ein Staatsgebilde zum Vorschein kommen, wie man es sich missgestalteter nicht denken kann. Wenn aber die verschiedenen Stände, Bestrebungen und Fertigkeiten zum Wohl der Allgemeinheit passend zusammenwirken, dann werden sie das Bild eines wohl geordneten und mit der Natur im Einklang stehenden Staatswesens darstellen.

d) Die Freimaurerei ist den Ideen der Kommunisten günstig

534. Übrigens haben von den erwähnten Aufruhr stiftenden Irrtümern unsere Staaten das größte Unheil zu befürchten. Denn wenn die Gottesfurcht und die Achtung vor den göttlichen Gesetzen aus der Welt gewichen sind, wenn Autorität und Verachtung preisgegeben ist und die revolutionären Gelüste gebilligt und erlaubt sind, wenn man den Volksleidenschaften die Zügel frei schießen lässt und sie nur durch die Furcht vor Strafe zurückgedämmt werden, dann muss eine allgemeine Umwälzung und die Zerstörung alles Bestehenden erfolgen. Aber die Umwälzung und Zerstörung beabsichtigen ja die meisten miteinander verbrüderten Cliquen der Sozialisten und Kommunisten und tragen diese Absicht offen zur Schau.

Und der Freimaurerbund wage es nicht zu behaupten, dass er mit dem Vorhaben der Sozialisten nichts zu tun habe; begünstigt er doch ihre Pläne gar zu sehr und hat er doch die Hauptlehren mit ihnen gemein. Wenn sie ihre frevelhaften Tendenzen nicht bis zum äußersten durchführen, so ist das nicht ein Verdienst ihrer Lehre oder ihres guten Willens, sondern man verdankt es der unzerstörbaren Kraft der göttlichen Religion und dem vernünftigen Teil der Menschen, welche den Bestrebungen der Geheimbünde nicht dienen wollen und deren unsinnigem Unterfangen tapferen Widerstand entgegenstellen.

e) Sie umschmeichelt und betört Fürsten und Völker

535. Wenn doch alle den Baum an seinen Früchten erkennen und zur Einsicht gelangen würden, welches der wahre Ursprung der Übel ist, unter denen wir seufzen und der Gefahren, die uns drohen, und wo sie ihren Ausgang genommen! Wir haben es mit einem heuchlerischen und listigen Feinde zu tun, welcher den Völkern und Fürsten schmeichelt und beide durch seine süß tönenden Reden und seine Speichelleckerei für sich einnimmt. Indem sie sich unter der Maske der Freundschaft bei den Fürsten einschmeicheln, gehen die Freimaurer darauf aus, jene zur Unterdrückung des Katholizismus als Bundesgenossen und mächtige Helfer zu gewinnen.

Um sie noch mehr dazu anzustacheln, verleumden sie die Kirche unablässig, als streite sie eifersüchtig mit den Fürsten um die Gewalt und die Rechte der Könige. Inzwischen durch ihre Kunstgriffe zu großer Sicherheit und Kühnheit gelangt, haben sie auf die Regierung der Staaten schon einen großen Einfluss gewonnen; aber trotzdem bleiben sie bereit, die Fundamente der Throne zu erschüttern, den Fürsten zuzusetzen, sie zu beschuldigen und sogar aus ihrem Reich zu jagen, so oft diese in der Regierung Maßnahmen treffen, die ihnen nicht gefallen.

Nicht anders treiben sie mit den Völkern, denen sie nach dem Mund reden, ihr böses Spiel. Freiheit und Wohlfahrt des Volkes verkündigen sie mit vollem Mund und erheben Anklage gegen die Kirche und Fürsten, dass es an diesen gelegen habe, wenn das Volk noch nicht aus der ungerechten Knechtschaft und Not befreit sei. So führen sie das Volk hinter das Licht, erregen in ihm das Verlangen nach Neuerungen und stacheln es zum Kampf gegen die beiden höchsten Gewalten auf.

Trotzdem bleibt hinsichtlich der gehofften Vorteile die Wirklichkeit weiter hinter den Erwartungen zurück; vielmehr ist das Volk noch härter bedrückt und entbehrt dabei zum großen Teil jenen Trost, welchen es leicht und in Fülle finden könnte, wenn die menschliche Gesellschaft nach den Satzungen des Christentums geordnet wäre. Aber wie viel sich immer auflehnen mögen gegen die von der göttlichen Vorsehung bestimmte Ordnung, alle müssen für ihren Stolz dadurch büßen, dass sie dort Zertrümmerung ihres Lebensglückes und Elend erfahren, woher sie unbesonnen Glück in Hülle und Fülle erwartet hatten.

lV. Heilmittel gegen die Freimaurerei

1. Im Allgemeinen: Eintracht zwischen Staat und Kirche

536. Was nun das Gebot der Kirche anlangt, die Menschen sollten zuallererst und in ganz besonderer Weise dem allerhöchsten Herrn, Gott, gehorchen, so tut man der Kirche Unrecht und beurteilt sie falsch, wenn man sie deshalb beschuldigt, dass sie mit Missgunst auf die staatliche Gewalt blicke und sich etwas von den Rechten der Fürsten anmaße. Im Gegenteil, sie gebietet, der staatlichen Obrigkeit aus voller Überzeugung und mit ernstem Pflichtbewusstsein das zu geben, was ihr gebührt. Dass sie aber das Recht, zu herrschen, von Gott selbst herleitet, das erhöht die Würde der staatlichen Obrigkeit ungemein und hilft dieser in bedeutendem Maße, die Hochachtung und Liebe der Bürger zu gewinnen.

Die Kirche liebt den Frieden, nährt die Eintracht, umfasst alle mit der Sorge einer Mutter; und, indem ihr Sinnen und Trachten einzig und allein darauf gerichtet ist, den Menschen zu helfen, lehrt sie, die Gerechtigkeit mit Milde, die Gewalt mit Billigkeit, die Gesetze mit weiser Mäßigung zu verbinden. Keines Menschen Recht dürfe man verletzen, Ordnung und Ruhe im öffentlichen Leben solle man fördern, die Not der Armen nach besten Kräften durch private Mildtätigkeit und durch Beteiligung an der öffentlichen Wohltätigkeit lindern.

„Aber bloß darum glauben sie“, — um Uns der Worte des heiligen Augustinus zu bedienen, — „und wollen sie auch die anderen zu dieser Ansicht führen, dass die christliche Lehre das Staatswohl nicht fördere, weil sie den Staat nicht auf dem festen Fundament der Tugenden, sondern auf der Straflosigkeit der Laster aufgebaut wissen wollen“ (Ep. 137 al. 3 ad Volusianum c. 5, n. 20).

Im Lichte dieser Erkenntnis wäre es wahre Staatsklugheit und täte es im Interesse der allgemeinen Wohlfahrt und Sicherheit Not, dass Fürsten und Völker sich nicht mit den Freimaurern zum Sturz der Kirche, sondern vielmehr mit der Kirche zur Abwehr der Freimaurer zusammentäten.

2. Heilmittel im Besonderen

a) Belehrung über das Wesen der Freimaurerei

537. Was die Zukunft auch bringen wird, Uns fällt die Aufgabe zu, gegen dieses schwere und schon weit verbreitete Übel auf Abhilfe zu sinnen. Da Wir aber erkennen, dass man die Hoffnung auf Heilung am besten und sichersten auf die Kraft der göttlichen Religion sehe, — welche die Freimaurer um so glühender hassen, je mehr sie sie fürchten müssen, — deshalb halten Wir es für unsere Hauptaufgabe, diese so heilsame Kraft gegen den gemeinsamen Feind herbeizurufen und ins Feld zu führen.

Was immer daher Unsere Vorgänger, die römischen Päpste verordnet haben, um die Anschläge und Unternehmungen des Freimaurerbundes unschädlich zu machen; was immer sie bestimmt haben, um die Menschen vom Anschluss an diese Geheimbünde abzuschrecken und zur Lossagung von ihnen zu bewegen, dem allen stimmen Wir im Allgemeinen und im Besonderen zu und bekräftigen es durch Unsere Apostolische Autorität. Wir bauen hierbei am meisten auf den guten Willen der Christen und bitten jeden einzelnen von ihnen inständig, bei seinem eigenen Heil, dass er es für seine heilige Gewissenspflicht halte, auch nicht einen Finger breit von den Vorschriften abzuweichen, welche hierüber der Apostolische Stuhl gegeben hat.

Euch aber, Ehrwürdige Brüder, bitten Wir dringend, dass ihr euch im Verein mit Uns alle Mühe gebt, diese verabscheuungswürdige Seuche, welche alle Adern der menschlichen Gesellschaft durchdringt, auszurotten. Es handelt sich darum, Gottes Ehre zu schützen und der Mitmenschen Seelenheil zu retten. Wenn ihr beim heiligen Kampf dies vor Augen haben werdet, dann wird euch der Mut nicht sinken und die Tapferkeit euch nicht verlassen. Eure Klugheit wird dann zu beurteilen haben, mit welchen Mitteln ihr vorzüglich die Euch entgegentretenden Hindernisse werdet überwinden müssen.

Da es aber in Anbetracht der Würde Unseres Amtes Uns zukommt, selbst einen geeigneten Plan zum Kampf zu entwerfen, so sind Wir der festen Überzeugung, dass die Freimaurer zuallererst entlarvt und der Menschheit in ihrer wahren Gestalt gezeigt werden müssen. Ferner müssen die Völker durch mündliche Belehrung und durch darauf bezugnehmende Hirtenbriefe über die Kunstgriffe aufgeklärt werden, mit denen diese Geheimbünde den Menschen schmeicheln und sie an sich locken; und unterrichtet werden über die Verderblichkeit ihrer Lehren und über die Schlechtigkeit ihrer Handlungsweise.

Wie es Unsere Vorgänger des Öfteren bestimmt haben, möge niemand es für erlaubt halfen, aus irgendwelchem Grund dem Freimaurerbund beizutreten, wenn er auf sein Seelenheil den Wert legt, den er ihm beimessen muss. Möge sich niemand von ihrer erheuchelten Sittlichkeit irreführen lassen. Es kann nämlich den Schein erwecken, als verlangten die Freimaurer nichts, was offenbar gegen die Heiligkeit der Religion und der guten Sitten verstoße. In Wirklichkeit ist die Sekte ihrem ganzen Wesen nach und von Grund aus Laster und Schande. Deshalb ist es mit Recht nicht erlaubt, sich den Freimaurern anzuschließen oder ihre Bestrebungen in irgendwelcher Weise zu fördern.

b) Belehrung über die Grundwahrheiten des Christentums

538. Dann muss man durch unablässige Belehrung das Volk dahin bringen, dass es die Wahrheiten der Religion sorgfältig lerne. Deshalb raten Wir dringend, die Grundwahrheiten des hochheiligen Glaubens, welche die christliche Weisheit ausmachen, durch Schriften und zeitgemäße Predigten zu erklären. Dadurch soll erzielt werden, dass die Menschen bei der schrankenlosen Freiheit im Verfassen von Schriften und bei der unersättlichen Wissbegier unserer Zeit durch Unterricht geheilt und gegen die vielgestaltigen Irrtümer und die mannigfachen Lockmittel zur Sünde geschützt werden. Wahrlich ein großes Werk!

Doch ihr werdet bei diesen euren Bemühungen besonders im Klerus einen bereitwilligen Bundesgenossen finden, wenn er durch eure Mühewaltung in strenger priesterlicher Zucht und in der Wissenschaft gut ausgebildet worden ist. Aber eine so edle und bedeutsame Sache erfordert auch die eifrige Mitwirkung der Laien, welche Religiosität und Patriotismus mit Rechtschaffenheit und Wissenschaftlichkeit in sich vereinigen. Indem die Kräfte beider Stände zusammenwirken, strebt dahin, Ehrwürdige Brüder, dass die Menschheit die Kirche durch und durch kennenlerne und lieb gewinne; denn mit dieser Kenntnis und Liebe wird auch die Abscheu und Flucht vor den geheimen Gesellschaften wachsen.

Nicht ohne Grund ergreifen Wir die günstige Gelegenheit, die sich Uns hier bietet, um zu wiederholen, das, was Wir schon bei anderen Gelegenheiten gesagt haben: man müsse den dritten Orden des hl. Franziskus, dessen Regel Wir vor kurzem aus kluger Nachsicht gemildert haben, eifrigst verbreiten und schützen. Denn es besteht nach der Bestimmung, die ihm sein Stifter gegeben, seine Aufgabe einzig und allein darin, die Menschheit zur Nachfolge Jesu Christi einzuladen; für die Liebe zur Kirche und für die Übung aller christlichen Tugenden zu gewinnen. Er muss also eine starke Macht zur Bekämpfung der nichtswürdigen, verderblichen Sekten sein. Möge diese heilige Vereinigung durch täglichen Zuwachs an Mitgliedern erstarken!

Dürfen wir doch von ihr neben vielen Früchten insbesondere die erwarten, dass sie die Menschheit zur Freiheit, Brüderlichkeit, Gleichheit führe; aber nicht zu einer Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit, wie die Freimaurer in ihrer Unvernunft sie sich vorstellen, sondern wie sie Jesus Christus dem Menschengeschlecht erworben und Franziskus sie erstrebt hat.

Wir meinen die Freiheit der Kinder Gottes, vermöge derer wir weder dem Satan noch den Leidenschaften, welche die schlimmsten Tyrannen sind, dienen; die Brüderlichkeit, welche ihre Wurzel in Gott, dem gemeinsamen Schöpfer und Vater aller hat; die Gleichheit, welche auf Gerechtigkeit und Liebe gegründet ist, nicht alle Unterschiede der Menschen untereinander aufheben will, sondern aus der Mannigfaltigkeit der Lebensweise, der Ämter und Berufsarten jene wunderbare Übereinstimmung und Harmonie zustande bringt, welche ihrer Natur nach der bürgerlichen Gesellschaft Nutzen schafft und Würde verleiht.

c) Sammlung der katholischen Arbeiter und Handwerker

539. An dritter Stelle nennen Wir eine Einrichtung, die unsere Vorfahren geschaffen haben, von der man aber im Laufe der Zeit abgekommen ist. Sie könnte in unseren Tagen als Muster und Vorbild für eine ähnliche, unseren Zeitverhältnissen angepasste Einrichtung dienen. Wir meinen die Zünfte und Innungen der Handwerker, welche unter religiöse Leitung gestellt, die Wahrung materieller Interessen und den Schutz der guten Sitten zur Aufgabe haben. Wenn unsere Vorfahren den Vorteil dieser Genossenschaften durch lange Erfahrung und in schwierigen Verhältnissen erprobt haben, so wird unsere Zeit vielleicht noch mehr ihren Nutzen erkennen, weil sie ganz vorzüglich geeignet sind, die Macht der Sekten zu brechen.

Die Leute, welche sich durch die Hände Arbeit das tägliche Brot sauer verdienen müssen, verdienen eben wegen ihrer gedrückten Lage vor allen anderen Liebe und Trost, aber ebenso sind auch gerade sie am meisten den Verlockungen der durch Trug und List immer mehr um sich greifenden Sekten ausgesetzt. Deshalb muss man ihnen mit dem höchsten Maß von Güte zu Hilfe kommen und sie zum Eintritt in gute Vereine einladen, damit sie nicht in schlechte hineingezogen werden.

Daher ist es Unser sehnlichster Wunsch, dass diese Innungen unter der obersten Leitung und unter dem Schutz der Bischöfe den Zeitverhältnissen entsprechend wieder hergestellt werden. Mit nicht geringer Freude erfüllt es Uns, dass schon an mehreren Orten solche Vereinigungen und Schutzvereine gegründet worden sind. Beide haben es sich zur Aufgabe gemacht, den achtbaren besitzlosen Bevölkerungsschichten zu helfen; ihre Kinder und Familien zu behüten und zu beschirmen und die Übung der Frömmigkeit, den religiösen Unterricht und die Reinheit der Sitten unter ihnen zu fördern.

Hierbei wollen Wir schweigen von dem so ungemein erbaulichen zur Nachahmung aneifernden und um die niederen Volksklassen so außerordentlich verdienten Verein, welcher nach seinem Stifter, dem hl. Vinzenz, benannt ist. Sein Wirken und sein Ziel sind bekannt. Er geht ganz darin auf, die Armen und von Missgeschick Heimgesuchten ungerufen aufzusuchen und übt seine Tätigkeit mit staunenswertem Scharfblick und bewunderungswürdiger Anspruchslosigkeit aus. Und je weniger er von sich her macht, desto tüchtiger ist er zur Übung christlicher Liebe, desto geeigneter zur Linderung des Elends.

d) Sorge für die heranwachsende Jugend

540. Viertens empfehlen Wir, um leichter zu Unserem Ziel zu gelangen, in ganz besonderem Maße die Jugend Eurer Gewissenhaftigkeit und Eurer Obhut; sie ist doch die Hoffnung der menschlichen Gesellschaft. Verwendet den größten Teil Eurer Hirtensorge auf ihren Unterricht! Glaubt nur, Eure Vorsicht kann nie groß genug sein, wenn es sich darum handelt, das aufwachsende Geschlecht vor Schulen und Lehrern zu hüten, von denen man befürchten muss, dass sie schon den Pesthauch der geheimen Sekten atmen.

Die Eltern, die Lehrer der Frömmigkeit und die Seelsorger sollen es sich angelegen sein lassen, nach Eurer Anweisung beim Religionsunterricht die Kinder und Zöglinge über das schändliche Wesen dieser Gesellschaft aufzuklären und sollen sich Mühe geben, dass sich die Jugend beizeiten in Acht nehmen lerne vor den mit List und Trug ersonnenen Fallen, welche die Verbreiter der Sekten den Menschen stellen, um sie zu fangen.

Ja die, welche die Kinder zum Empfang der heiligen Sakramente vorschriftsmäßig vorbereiten, würden gut tun, wenn sie alle einzeln anleiteten, den festen Vorsatz zu fassen, dass sie sich keinem Verein ohne Wissen der Eltern und ohne Gutheißung des Seelsorgers oder Gewissensrichters (Beichtvaters) anschließen wollen.

e) Einmütigkeit im Gebet

541. Indes, Wir sind Uns wohl bewusst, dass Wir der schwierigen Aufgabe, diese unheilvolle Saat aus dem Acker des Herrn herauszureißen, ganz und gar nicht gewachsen sein werden, wenn nicht der Herr des Weinbergs, der im Himmel wohnt, unserem Beginnen gnädig zu Hilfe kommt. Wir müssen ihn also inständig und so flehentlich um seinen Beistand und seine Hilfe bitten, wie die Macht der Gefahr, die uns droht und die Größe der Bedrängnis, die uns umgibt, es von uns fordern.

Es erhebt die Sekte der Freimaurer, durch ihre Erfolge übermütig geworden, in maßlosem Stolz ihr Haupt, und ihre Frechheit scheint keine Grenze mehr zu kennen. Alle ihre Anhänger, durch ruchloses Bündnis und zu gemeinsamen Plänen im Geheimen verschworen, leisten einander Hilfe und reizen sich gegenseitig zu Taten gottloser Verwegenheit an.

Ein so heftiger Angriff erfordert eine gleich starke Abwehr, d. h. alle Gutgesinnten müssen einen einzigen mächtigen Bund zu gemeinsamer Arbeit und gemeinsamem Gebet schließen. Wir bitten sie daher, sie möchten doch einmütig, Schulter an Schulter und unentwegt gegen die vordringende Macht der Sekte zusammenstehen; auch möchten sie mit vielen und inständigen Seufzern und Gebeten ihre Hände zu Gott emporheben und von ihm erflehen, dass der christliche Name blühe und in Kraft bleibe; dass die Kirche ihre notwendige Freiheit wieder erlange; dass die Verirrten auf den rechten Weg zurückkehren; dass der Irrtum der Wahrheit und das Laster der Tugend endlich einmal Platz mache.

Um Hilfe und Fürsprache wollen wir uns an die Jungfrau und Gottesmutter Maria wenden, dass sie, die schon in ihrer Empfängnis den Satan besiegte, auch im Kampf gegen die gottlosen Sekten ihre Macht zeige, da in ihnen offenbar die satanischen Geister der Empörung mit ihrer alten Treulosigkeit und Heuchelei neu aufleben. Wir wollen auch den Fürsten der seligen Geister, den Sieger über die feindlichen Mächte der Hölle, den heiligen Michael beschwören; desgleichen den heiligen Joseph, den Bräutigam der seligsten Jungfrau, und mächtigen Patron der katholischen Kirche im Himmel, die großen Apostel Petrus und Paulus, die den christlichen Glauben ausgesät und siegreich beschützt haben.

Auf den Schutz dieser Heiligen und auf die beharrlichen, gemeinschaftlichen Gebete vertrauend, hoffen Wir, dass Gott der von so vielen Gefahren umringten Menschheit zur rechten Zeit gnädig zu Hilfe kommen werde.

Als Unterpfand der himmlischen Gnade und als Zeichen unserer Liebe erteilen wir Euch, Ehrwürdige Brüder, Eurem Klerus und dem gesamten Eurer Hirtensorge anvertrauten Volk von ganzem Herzen den Apostolischen Segen im Herrn!

Gegeben zu Rom bei St. Peter, am 20. April des Jahres 1884,
im siebenten Jahr Unseres Pontifikates.

Papst Leo XIII.

aus: Carl Ulitzka, Lumen de Caelo, 1934, S. 254 – S. 271

Zuir Freimaurerei siehe auch auf katholischglauben.online:

Enzyklika Sapientiae christianae
Die kommunistische Infiltration der Kirche

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