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Die katholische Lehre zu Judas Iskariot

Moulin: Der Kuss, der Judas und Satan offenbarte

Die katholische Lehre zu Judas Iskariot und seiner Verdammnis

Keiner von ihnen ist verloren, außer der Sohn des Verderbens, damit die Schrift erfüllt werde. (Joh 17, 12)

Worin der Verrat des Judas Iskariot bestand

Judas wusste, wohin Jesus sich in dieser Nacht begeben würde; dorthin führte er die aus der Tempelwache und römischem Militär gebildete bewaffnete Schar und machte ihr Jesum durch den schändlichen Verräterkuss kenntlich.

Der Verrat selbst, in der Nacht vom 14./15. Nisan, bestand darin, dass Judas durch Führung der Häscher (Apg. 1, 16; vgl. Lk. 22, 47) an den ihm bekannten nächtlichen Aufenthaltsort Jesu auf dem Ölberg (Joh. 18, 2; Lk. 21, 37) und Kenntlichmachung des Gesuchten durch den Begrüßungskuss (Mk. 14, 44f u. Parall.) eine „listige, d. h. heimliche Verhaftung ermöglichte, was wegen der Überfüllung „Groß-Jerusalems“ mit Paschafest-Pilgern äußerst schwierig und doch wegen des bei öffentlicher Gefangennahme drohenden „Volksaufruhrs“ (Mk. 14, 2 u. Parall.) unbedingt nötig war. (Quelle: Lexikon Judas Iskariot)

Die Frage der Reue des Judas

Die neue Kirche, die aus dem Montinischen Räuberkonzil hervorgegangen ist, hat in ihren revolutionären Theologen Propagandisten für eine Rehabilitierung des Verräters Judas Iskariot hervorgebracht. Sie wollen uns einreden, dass die Reue von Judas aufrichtig war. Doch diese Auffassung ist falsch. Ihre makabren Theorien über die Kirche der Verdammten und die aufrichtige Reue von Judas haben jedoch nichts gemein mit der gesunden Lehre der katholischen Kirche. Die kirchliche Auslegung über das Schicksal von Judas ist nämlich seit vielen Jahrhunderten das genaue Gegenteil von der Auslegung der Konzilskirche.

Als Beispiel zitieren wir den herausragenden Exegeten Pater Cornelius a Lapide, S.J.:

„Die Reue, die Judas anstrebte, war keine wirkliche und echte Reue, denn diese schließt die Hoffnung auf Vergebung ein, die Judas nicht hatte. Sondern sie wurde durch Qualen und Verzweiflung erzwungen, wie sie das böse Gewissen hervorruft, das die Verdammten, die vom Feuer der Hölle gepeinigt werden, quält und tadelt.“ (In Matthäus 27, 3-4 in ‚Commentaria in Scripturam Sacram‘, Paris: Louis Vivés, 1877, Bd. 15, S. 597)

„Denn das ist die Bedeutung des griechischen μεταμεληθεὶς [metamelētheis].“

Obwohl das griechische Wort Buße bedeutet, impliziert es nicht Gottes Vergebung und Wiederherstellung der Freundschaft mit Ihm. (Quelle des Zitats: Ja, Judas ist in der Hölle)

Die Reue des Judas beinhaltet nicht die Vergebung Gottes

Lapide kommentiert die Stelle, an der unser Herr Judas verflucht: „Wehe dem Menschen, durch den der Menschensohn verraten wird! Es wäre besser für ihn, wenn er nicht geboren wäre!“ (Mt 26,24), und bekräftigt:

„Der Verrat des Judas war ein Sakrileg, das direkt gegen Christus und Gott selbst gerichtet war: Daher war er wahrlich Christusmord und Gottesmord. Folglich ist es sehr wahrscheinlich, dass Judas in den tiefsten Tiefen der Hölle neben Luzifer weilt und dort auf bitterste Weise gequält wird. Und dies, wehe, bedeutet es, und das war es, was Christus hier in Bezug auf die anderen Verworfenen meinte.“ (Mt 26,24, ebd., S. 553)

Auch der heilige Hieronymus kommentiert das ‚Wehe‘ Jesu:

„Es wurde sowohl die Verdammnis als auch die Hölle angedroht; denn es ist besser, nicht zu existieren, als so sehr zu existieren, dass man immer elend ist und ewig in der Hölle brennt“ (Apud a Lapide, ebd., S. 553)

Die schwerwiegendste Stelle über Judas ist diejenige, in der der heilige Johannes bekräftigt, dass der Teufel von Judas’ Seele Besitz ergriff, nachdem dieser beim Letzten Abendmahl die Kommunion empfangen hatte:

Jesus antwortete: Dem werde ich das eingetauchte Brot reichen. Und als er das Brot eingetaucht hatte, gab er es Judas Iskariot, dem Sohn des Simon. Und nach dem Bissen fuhr der Satan in ihn. (Joh 13, 26–27)

P. A Lapide erklärt:

„Judas, der dieser Liebe Christi undankbar war, nahm das eingetauchte Brot [die Kommunion] auf falsche Weise entgegen. Er meinte nämlich, Christus würde ihm aus Hass und Verachtung das eingetauchte Brot geben, um den Aposteln sein Verbrechen zu offenbaren. Daraufhin verließ Judas seine Berufung als Apostel Christi und das Apostelkollegium und schloss sich als Abtrünniger und Abtrünniger der Familie Satans und den Juden an.“ (Joh 13,27, ein Lapide, ebenda , Bd. 16, S. 532)

Der heilige Ambrosius kommentiert dieselbe Stelle:

„Als Satan selbst in Judas’ Herz fuhr, zog sich Christus von ihm zurück, und in dem Augenblick, als er ihn [in der Eucharistie] empfing, verlor er ihn. Daher heißt es: Nach der Kommunion fuhr Satan in ihn.“ ( Apud ebd. )

Verschiedene Gründe, warum der Teufel von Judas Besitz ergriff

„Und der Teufel fuhr aus drei Gründen in Judas ein: Erstens wegen Judas’ Undankbarkeit, so Augustinus, denn nachdem Christus alle ihm zustehenden Akte der Nächstenliebe vollbracht hatte und Judas ungerührt blieb, war er dem Teufel schutzlos ausgeliefert.

Zweitens, weil der Teufel bereits aus den [vorherigen] Worten des Herrn und den Zeichen wusste, dass Judas im Bösen verharrte und vom Herrn verlassen war, wie Chrysostomus berichtet.

Drittens, weil Judas selbst erkannte, dass er bereits allen offenbart und von den Jüngern und dem Meister isoliert war, und deshalb im Bösen bestärkt wurde und in seiner Verzweiflung sein Herz dem Teufel übergab … so Euthymius nach Chrysostomus.“ (ebd.)

Der heilige Alphons Maria von Liguori warnt uns vor leichtfertiger Reue

Unglückselig ist jener Kranke, der sich im Stande der Todsünde ins Sterbebett legt.

Die Unglückseligen werden freilich, wenn der Tod herannaht, noch beichten, sie werden Versprechungen machen, Tränen vergießen, Gott um Verzeihung bitten; aber ach! sie werden selbst kaum wissen, was sie tun. Einem solchen geht es, wie einem Menschen, der hingestreckt ist zu den Füßen seines Feindes, welcher ihm den gezückten Dolch auf die Brust hält, im Begriff, denselben in sein Herz zu stoßen; ein solcher wird alsdann auch weinen, um Verzeihung flehen, und versprechen, ihm als Sklave sein ganzes Leben hindurch zu dienen, aber wird der Feind ihm wohl glauben?

Nein, er wird alles für Verstellung ansehen, wodurch der Unglückliche seinen Händen zu entspringen sucht; er wird vorhersehen, dass, wenn er ihm auch verzeiht, jener ihn nur noch mehr hassen werde, als zuvor. Wie könnte aber da wohl Gott dem Sünder verzeihen? Er sieht ja, dass seine Reue, dass alle seine Versprechungen nicht aus dem Herzen kommen, sondern bloß eine Folge der Furcht vor dem Tode und vor der nahen Verdammnis sind. (Quelle: Von dem Tod des Sünders)

Der Teufel nimmt Besitz von Judas

Es war aber Satan in Judas gefahren. (Luk. 22, 3)

Der Teufel kann nur den ganz beherrschen, der sich ganz ihm hingegeben hat. Da stellt sich die Frage, wie Judas bis zu dem Punkt sinken konnte, wo er, ganz von Satan beherrscht, den Verrat plante und ausführte.

Die Stelle bei Joh. 6, 71f. gibt uns eine Antwort. Diese Stelle sagt uns, dass schon viel früher dieser Verlust des Glaubens bei Judas eingetreten war.

Jesus hatte in der Synagoge von Kapharnaum erklärt:

Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der hat das ewige Leben: und ich werde ihn am jüngsten Tage auferwecken … Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der bleibt in mir, und ich in ihm. (Joh. 1, 55 u. 57)

Darauf reagierten die Jünger mit den Worten:

Diese Rede ist hart, und wer kann sie hören?“ (Vers 61) Darauf antwortete Jesus: „Ärgert euch dieses? … Es sind aber einige unter euch, welche nicht glauben.“ Denn Jesus wusste vom Anfang, welche diejenigen wären, die nicht glaubten, und wer ihn verraten würde … Jesus antwortete ihnen: Habe ich nicht euch Zwölfe ausgewählt, und einer von euch ist ein Teufel? Er redete aber von Judas Isakriot, Simons Sohn: denn dieser verriet ihn hernach, da er doch einer aus den Zwölfen war.

Jesus sah vermöge seiner göttlichen Allwissenheit den Verrat von Ewigkeit her voraus. Aber Judas war nicht ungläubig geworden, weil Jesus es voraussah, sondern Jesus sah den Unglauben von Judas als seine freiwillige Tat voraus.

Während andere Jünger sich nach Jesu Rede von ihm entfernten, blieb Judas jedoch bei den Zwölfen.

Die Heuchelei schlägt die Brücke von der Habsucht zum Verrat

Das Kirchenlexikon gibt die Erklärung dafür, warum Satan in Judas fahren konnte:

Er glaubt nicht, geht aber auch nicht weg von Jesus, an welchen ihn nichts mehr bindet als das Geld. Jesus entfernt ihn nicht mit Gewalt aus dem Apostelkreis, aber er weist hin auf den Teufel in diesem Kreis. Von da an ist in Judas die Wurzel des Glaubens abgestorben, und infolge dessen ist notwendig von da an das Zusammenleben des Jüngers mit Jesu nur noch eine große Heuchelei.

Die Heuchelei, Hülle und Gewand seiner Habsucht, ist als sein zweites Charaktermal wohl zu beachten; sie ist es, welche seinen Charakter in solcher Weise aushöhlte, ihn gemein und niederträchtig machte und das letzte Gefühl von Pietät, Ehrerbietung und Dankbarkeit erstickte. Die Heuchelei schlägt die Brücke von der Habsucht zum Verrat.

Dieser Jünger hat, ehe er den Verrat vollbrachte, unzählige Mal den Herrn in seinem Herzen verraten; er kann den heimlichen Gang zu den Hohepriestern ohne Herzklopfen machen, denn sein Fuß ist gewohnt, auf Schleichwegen zu wandeln; er spielt seine Rolle am Abendmahl so meisterlich, dass kein Jünger in ihm den Verräter vermutet.

Denn er hat in langer Übung alle Künste der Heuchelei sich angeeignet und jede Muskel und Miene seines Gesichts in deren Dienst eingelernt; schamlos tritt er auf Jesus zu und bringt schlangengleich ihm mit dem Kuss die Todeswunde bei, – er kann es, denn er hat seit langer Zeit vor dem Herrn den Unschuldigen gespielt und sein Auge daran gewöhnt, dem des Meisters mit dem Blick der Unbefangenheit und Hingabe zu begegnen.

(Quelle: Kirchenlexikon: Warum Judas Iskariot zum Verräter wurde)

Das Heuchlerleben des Judas war sein Verderben

So erschien der Verrat mit seiner empörenden Falschheit und Heuchelei nur als die letzte und reifste Ausgeburt seines Heuchlerlebens. Am Schluss dieser psychologischen Betrachtung aber muss man mit den Evangelisten ins Reich des Dämonischen weisen, aus welchem als aus seinem tiefsten Grund der Gedanke des Verrates aufstieg, und aus welchem allein die nicht mehr menschliche Kraft der Bosheit stammen konnte, welche zur Durchführung desselben nötig war.“

Dass Judas bei Planung und Ausführung des Verrates allen Glauben verloren hatte, ist damit unzweifelhaft. Die Ausführungen beweisen, dass schon viel früher dieser Verlust des Glaubens bei ihm eingetreten war. Damit konnte Satan Judas den Verrat eingeben. (Joh. 13, 2; vgl. 6, 71) (Quelle: Die biblische Lehre über den Teufel)

Durch Unglauben, Heuchelei und Habsucht kam Judas in eine innere Verfassung, die es dem Satan leicht machte, den Plan des Verrates in seine Seele zu werfen und ihn für die Ausführung dieses Planes ganz in Besitz zu nehmen. Diesen dämonischen Anteil an der Tat des Judas deuten die Evangelien mehrfach an. (Lk. 22,3; Joh. 13, 2 u. 27) (Quelle: Es war Satan in Judas gefahren)

Christus selber bestätigt die Verdammnis des Judas

Der heilige Evangelist Johannes fügt ergänzend bei, dass Jesus von Anfang an den Verräter gekannt und schon nach der Rede in der Synagoge von Kapharnaum Judas als Teufel gekennzeichnet habe (6, 65 u. 71). Auch habe der Herr selbst sich zur Begründung der Aufnahme und der Duldung des Verräters auf den in der Schrift kund gegebenen Ratschluss Gottes berufen (Joh. 13, 18; 17, 12; vgl. Matth. 26, 24; Mark. 14, 21; Apg. 1, 16. 25). Dass durch letzteren die persönliche Schuld des Judas nicht verändert oder gemindert wird, beweist das Wehe, welches der Herr unmittelbar nach dem Verweis auf die alttestamentliche Prophetie über den Verräter ausspricht.

Das hohepriesterliche Gebet Jesu

Als ich bei ihnen war, habe ich sie in deinem Namen bewahrt. Die du mir gegeben hast, habe ich bewahrt; und keiner von ihnen ist verloren, außer der Sohn des Verderbens, damit die Schrift erfüllt werde. (Joh. 17, 12)

So erklärt unser gesegneter Herr, dass es für Judas besser wäre, wenn er nie geboren worden wäre. Aber eine solche Aussage ist nur dann wahr und folgerichtig, wenn Judas für immer von der Erlangung des ewigen Heils ausgeschlossen ist, das heißt, wenn er in der Hölle ist. Außerdem ist die Aussage unseres Herrn, dass keiner der Seinen verloren ist, außer dem „Sohn des Verderbens“, so eindeutig, dass sie keiner weiteren Erklärung bedarf. Und schließlich ist Judas‘ „eigener Platz“ kaum der des Himmels.

Und in der Apostelgeschichte lesen zur Begründung der Wahl eines Apostelnachfolgers für Judas Iskariot:

Und sie beteten und sprachen: Herr, du Herzenskundiger aller, zeige an, welchen von diesen beiden du erwählt hast, die Stelle dieses Dienstes und und des Apostelamtes zu empfange, von welcher Judas entwichen ist, um hizugehen an seinen Ort. (*) (Apostelgeschichte 1, 24-25)

(*) siehe Matth. 26, 24

Das sehr hässliche Bild von Judas, der mit geplatzten und hervorquellenden Eingeweiden am Baum hängt, hat uns auch der heilige Petrus in der Apostelgeschichte hinterlassen: „Jene Schriftstelle, welche der heilige Geist durch den Mund Davids vorhergesagt hatte, (*) musste sich an Judas erfüllen, … und er erhängte sich, borst mitten entzwei, und alle seine Eingeweide fielen heraus.“ (1, 16 u. 18)

(*) Der hl. Petrus bezieht sich auf den Ps. 40, 10: Auch der Mann, mit dem ich Frieden hatte (Anm.: d. h. mein Freund), auf den ich Hoffnung setzte, der mein Brot aß, trieb große Hinterlist wider mich.

Was die Päpste über die Verdammnis des Judas Iskariot lehren

Ein klares Beispiel für einen Kirchenvater, der die ewige Verurteilung von Judas lehrt, ist der hl. Papst Leo I., der in einer seiner Predigten über die Passion Christi erklärt:

Zu dieser Vergebung [Christi] konnte der Verräter Judas nicht gelangen; denn er, der Sohn des Verderbens, zu dessen Rechten der Teufel stand, gab sich der Verzweiflung hin, bevor Christus das Geheimnis der allgemeinen Erlösung vollendete. Denn da der Herr für die Sünder starb, hätte vielleicht auch er Rettung finden können, wenn er sich nicht beeilt hätte, sich zu erhängen. … Aber der böse Verräter weigerte sich, dies zu begreifen, und ergriff Maßnahmen gegen sich selbst, nicht in der Selbstverurteilung der Reue, sondern im Wahnsinn des Verderbens, und so vergrößerte er, der den Urheber des Lebens an seine Mörder verkauft hatte, selbst im Sterben das Ausmaß der Sünde, die ihn verdammte. (Papst Leo der Große, Predigt 62, Kapitel IV).

Schließlich erwähnt Papst Pius XI. in seiner Enzyklika ‚Ad Catholici Sacredotii‘ (Nr. 49), dass „Judas, ein Apostel Christi, ‚einer der Zwölf‘, wie die Evangelisten traurig feststellen, gerade durch den Geist der Habsucht nach irdischen Gütern in den Abgrund seiner Bosheit gestürzt wurde“.

Judas Iskariot in der römischen Liturgie

Als Nächstes wollen wir uns ansehen, wie der Iskariot in der römischen Liturgie der Kirche erscheint, insbesondere am Gründonnerstag, der Nacht, in der Judas seinen Meister verriet:

O Gott, von dem Judas die Strafe für seine Schuld und der Schächer den Lohn für sein Bekenntnis empfing. Lass uns die Wirkung Deiner verzeihenden Huld erfahren, und wie unser Herr Jesus Christus in Seinem Leiden jeden der beiden nach seinen Verdiensten verschieden vergolten hat, so befreie Er uns von alter Verblendung und schenke uns die Gnade Seiner Auferstehung, der mit Dir lebt und regiert [in der Einheit des Heiligen Geistes, Gott, in alle Ewigkeit, Amen]. (Schott, Messbuch der heiligen Kirche, 1949)

Was der Römische Katechismus nach dem Konzil von Trient sagt

Zusätzlich zu den bereits zitierten Beweisen aus der Heiligen Schrift und der Tradition wird die ewige Verdammnis des Judas auch im Römischen Katechismus, auch Katechismus des Konzils von Trient genannt, ausdrücklich erwähnt. Er ist eine maßgebliche Erklärung der traditionellen Lehre der Kirche:

„Andere werden durch Begierde nach Ehrenstellen und Ruhmsucht zum Priesterstand getrieben; andere aber wollen geweiht werden, um an Reichtümern Überfluss zu haben, wofür das ein Beweis ist, dass sie, wenn ihnen nicht irgend eine ergiebige Kirchenpfründe verliehen wird, gar keinen Gedanken an die heilige Weihe haben.

Diese aber sind es, welche unser Erlöser ‚Mietlinge‘ nennt, und von welchen Ezechiel sagt, „dass sie sich selbst und nicht die Schafe weiden“, deren Schändlichkeit und Ruchlosigkeit nicht nur auf den priesterlichen Stand großen Schatten wirft, so dass fast nichts von dem gläubigen Volk für verächtlicher und verworfener gehalten werden kann, sondern auch bewirkt, dass sie selbst vom Priestertum keine andere Frucht erlangen, als Judas aus dem apostolischen Amt, das ihm ewiges Verderben gebracht hat.“ (Quelle: Römischer Katechismus nach dem Beschluss des Konzils von Trient, Vom Sakrament der Priesterweihe, 1993, S. 238)

Die katholische Dogmatik

Für ihn wäre es besser, wenn er nie geboren wäre ( Matth. 26, 24)

Und der Menschensohn geht tatsächlich dahin, wie von ihm geschrieben steht; wehe aber dem Menschen, durch den der Menschensohn verraten wird! Es wäre besser für ihn, wenn dieser Mensch nie geboren worden wäre. (Mk 14, 21)

Wie aus dieser Schriftzeile deutlich zu erkennen ist, hat Unser Herr Jesus Christus erklärt, es wäre für Judas besser gewesen, nie geboren worden zu sein. Diese Aussage lässt sich nur so deuten, wenn Judas für immer vom ewigen Heil ausgeschlossen ist, also wenn er sich in der Hölle befindet. Ferner ist die Aussage unseres Herrn, dass keiner der Seinen verloren geht außer dem „Sohn des Verderbens“, so eindeutig, dass sie eigentlich keiner weiteren Erklärung bedarf. Und schließlich ist Judas’ „eigener Platz“, wie in der Apostelgeschichte so genannt, kaum der Himmel.

In seiner Dogmatik verwendet J.B. Heinrich gerade diesen Satz aus Mk. 14, 21, um die Ewigkeit der Hölle zu beweisen und erklärt dementsprechend:

„Wenn Judas einmal aus der Hölle befreit zur ewigen Glückseligkeit, wenn auch erst nach Millionen von Jahren, gelangen würde, wäre es unendlich besser für ihn, geboren zu sein und auch gesündigt zu haben, als nie ins Dasein gekommen zu sein. Der Untergang, das Verderben, der Ausschluss vom Heil, der zweite Tod bedeuten einen definitiven Heilsverlust, wie dies schon der Wortlaut verlangt und wir früher eigens nachgewiesen haben“ (J. B. Heinrich, Dogmatische Theologie, Verlag der Aschendorffschen Buchhandlung, Münster i. W. 1904, Zehnter Band, S. 484).

Judas von Iskariot – Verräter und Selbstmörder

Es war aber der Satan in Judas gefahren, der Iskariot genannt wurde und einer von den Zwölfen war, und er ging hin und beredete sich mit den Hohenpriestern und Hauptleuten, wie er ihnen Jesus überliefern wollte … (Lk. 22, 3-4)

Kommentar:

Die Frage, wie war es psychologisch möglich, dass Judas, der erwählte Apostel, seinen Herrn verriet, können wir auf Grund der Anhaltspunkte, die uns die Evangelien geben, etwa so beantworten: Als Judas zum Apostel erwählt wurde, hatte er vom Messias und seinem Reiche noch ungeläuterte irdische Hoffnungen und Erwartungen; aber die übrigen Apostel hatten solche nicht minder.

Allein während diese nach den Belehrungen, die sie in der Schule Jesu empfingen, und nach den Erfahrungen, die sie machten, ihre falschen Anschauungen verbesserten, tat dies Judas nicht. Die übrigen Apostel erhoben sich zu jenem Glauben, dem Petrus in der Synagoge von Kapharnaum nach der Verheißung des allerheiligsten Sakramentes Ausdruck gab mit den Worten: „Wir haben geglaubt und erkannt, dass du bist Christus, der Sohn Gottes“ (Joh. 6, 70) Judas aber teilte diesen Glauben nicht. Nun hätte er die Gesellschaft des Herrn verlassen müssen; denn der Heiland hatte ausdrücklich gesagt: „Wollt auch ihr gehen?“, d. h. wenn ihr meinem Wort nicht glaubt, müsst ihr euch von mir trennen; Judas aber blieb.

Ohne Glauben im beständigen Umgang mit Jesus verharrend, wurde er ein Heuchler. Auch die Leidenschaften des Herzens, besonders die in ihm schlummernde Habsucht, unterdrückte er nicht mehr und wurde ein Dieb. (Joh. 12, 6) Durch Unglauben, Heuchelei und Habsucht kam er in eine innere Verfassung, die es dem Satan leicht machte, den Plan des Verrates in seine Seele zu werfen und ihn für die Ausführung dieses Planes ganz in Besitz zu nehmen. Diesen dämonischen Anteil an der Tat des Judas deuten die Evangelien mehrfach an. (Lk. 22, 3, Joh. 13, 2 27) –

Die Frage, wie konnte der Heiland Judas zum Apostel erwählen, wenn er vorher wusste, dass er zum Verräter würde, beantwortet treffend v. Keppler:

„Die Erwählung des Judas widerspricht nicht der Güte und Heiligkeit Gottes; ihr entsprach es, ihn zum Christentum und zum Apostolat zu berufen im Hinblick auf die gute Seite seines Wesens und auf seine Geistesanlagen, die ihn zum Apostelamt qualifizierten, und es entsprach ihr, an dem durch eigene Schuld tiefer und tiefer Sinkenden durch unermüdliche Gnadeneinwirkung und bis ans Ende fortgesetzte Besserungsversuche die ganze Größe der Erlöserliebe zu offenbaren.

Der göttlichen Wahrheit entsprach es, die Schuld des Jüngers in den Erlösungsplan aufzunehmen, sie in einen Kausalzusammenhang mit dem Erlösungstod zu setzen, sie durch den Mund des Propheten und des Heilandes vorauszusagen und so das Böse in den Dienst des Heilswerkes zu ziehen.

Es entsprach der Universalität der Passion, dass in ihren wehevollen Leidenskreis auch der Verrat eines der Vertrauten und die durch ihn verursachte Seelenqual hereingenommen wurde, und es entsprach der Gehorsamsstellung des Sohnes, auf Erden, dem Erlösungsratschluss auch in diesem in der Schrift vorausbezeichneten Punkte sich zu fügen, die vom Zusammenleben mit Judas unzertrennliche Seelenpein zu tragen und wissentlich und willentlich sich dem Verrat des Tischgenossen zum Opfer zu geben.

Dabei erfuhr die Freiheit des Judas keinerlei Determination oder Prädestination zum Bösen; die Vorherverkündigung der Tat begründet keine Vorherbestimmung zur Tat, ihre Eingliederung in den Erlösungsplan keine Nötigung, sie zu begehen.“

Da nun Judas, der ihn verraten hatte, sah, dass Jesus zum Tode verurteilt worden, reute ihn seine Tat, und er brachte die dreißig Silberlinge den Hohenpriestern und Ältesten zurück und sprach: „Ich habe gesündigt, dass ich unschuldiges Blut verraten habe.“ Sie aber sprachen: „Was geht das uns an? Siehe du zu!“ Da warf er die Silberlinge in den Tempel, ging hin und erhängte sich mit dem Stricke. (Matth. 27, 3-5)

Kommentar:

Die dreißig Silberlinge wurden wohl dem Tempelschatz entnommen und waren dann heilige Sekel. Es war der Preis für einen getöteten Sklaven (Ez. 21, 32), und sicher bestimmten die Hohenpriester gerade diesen Preis, um ihre Verachtung gegen Jesus auszudrücken. Bei ernstem Nachdenken hätte Judas allerdings von vornherein sich überzeugen können, dass sein Verrat notwendig zum gewaltsamen Tode Jesu führen müsse. Kannte er doch den unversöhnlichen, blutgierigen Hass der Hohenpriester, in deren Hände er Jesus überliefern wollte, und hatte ja Jesus oft und bestimmt genug prophezeit, dass er sich für unser Heil dem gewaltsamen Tode nicht entziehen werde.

Bei ernstem Nachdenken hätte Judas allerdings von vornherein sich überzeugen können, dass sein Verrat notwendig zum gewaltsamen Tode Jesu führen müsse. Kannte er doch den unversöhnlichen, blutgierigen Hass der Hohenpriester, in deren Hände er Jesus überliefern wollte, und hatte ja Jesus oft und bestimmt genug prophezeit, dass er sich für unser Heil dem gewaltsamen Tode nicht entziehen werde.

Es erging aber dem Judas ähnlich, wie es von unseren Stammeltern an bis heute zahllosen Sündern und Verbrechern ergangen ist: Die Leidenschaft machte ihn gegen jede ruhige Erwägung und gegen die Regungen seines Gewissens blind und taub. Erst, als seine Leidenschaft befriedigt war, und er nun die schrecklichen Folgen seiner schändlichen Tat vor Augen sah, kam er wieder zur Besinnung; jetzt ließ sich sein Gewissen mit um so furchtbarerer Stimme vernehmen; der Teufel aber, der seiner Leidenschaft geschmeichelt, ihm die Sache bisher als nicht so schrecklich dargestellt, zeigte sie ihm nun in so furchtbarer Gestalt, dass er an der Gnade Gottes verzweifelte wie Kain.“ (Quelle: Jesus wird erneut vor den Hohen Rat geführt)

Diese verächtlichen, herzlosen Worte (Anm.: der Hohenpriester) vollendeten die Verzweiflung des Judas. Gerade so sprechen die Welt und der Satan stets zu denen, die sich ihrem Dienste ergeben haben. Sie zahlen den Sündenlohn, den ihr unglückliches Opfer nicht einmal genießt, und überlassen dieses, nachdem sie es ausgenutzt, der Verzweiflung. Nach der Bemerkung des hl. Petrus (Apg. 1, 18-19), der sich hierbei auf das Zeugnis von ganz Jerusalem beruft, barst der Leib des Verräters mitten auseinander und fielen alle seine Eingeweide heraus.

(Quelle: Dr. J. Schuster, Dr. J.B. Holzammer, Handbuch zur Biblischen Geschichte, Bd. 2 Das Neue Testament 1910; S. 437-438; S. S. 498; S. 624)

Statt des herrlichen Loses eines Apostels gedachte er mit dem Verräterlohn sich ein irdisches Gut zu kaufen; doch er musste das Geld zurückbringen und dadurch Veranlassung werden, dass ein „Blutacker“ gekauft wurde, während er selbst ein schauerliches Ende nahm, von der höchsten Höhe der apostolischen Würde in den tiefsten Abgrund stürzte.

Die du mir gegeben hast, habe ich bewahrt, und keiner von ihnen ist verloren, außer der Sohn des Verderbens, damit die Schrift erfüllt würde. (Joh.17, 12)

Siehe auch den Beitrag:

Was Prediger über Judas Iskariot sagen

„Der himmlische Vater hat Christum nicht unmittelbar selbst geopfert, und ihm auch nicht befohlen, sich selbst das Leiden und den Tod anzutun; auch hat dies Christus nicht getan: sondern es wurde von Seite des himmlischen Vaters und von Seite Christi nur der Bosheit der Hölle und der Menschen nicht gewehrt, und deren Werk nicht verhindert; und zu dessen Verhinderung lag weder für den himmlischen Vater oder für Christus eine verpflichtende Ursache, noch für die feindlichen Gewalten ein Recht vor.“ (Quelle: Georg Patiss SJ Warum Gott die Bosheit zum Guten benutzt)

Was fehlte der Reue von Judas Iskariot noch? Etwas sehr Wichtiges und Wesentliches, nämlich die Hoffnung, das Vertrauen und die Liebe. Er sah nur die Größe und Schrecklichkeit seiner Missetat und nicht die Möglichkeit der Verzeihung und verzweifelte wie einst Kain.

Welch ein Beispiel und welch entsetzliche Lehre! Ein Apostel endet als Selbstmörder, als Ankläger und Bestrafer seiner Untat. Braucht es denn mehr, um uns zu belehren, wie verhängnisvoll es ist, seinen bösen Leidenschaften nicht zu widerstehen? Ist nicht jede Leidenschaft ein Satan, der uns zeitlich und ewig unglücklich machen kann? – Indessen hätte auch die Leidenschaft und ihre bittere Frucht, die Sünde, ihn nicht verderben können, wenn er nur nicht verzweifelt wäre und das Vertrauen nicht verloren hätte. (Quelle: Moritz Meschler SJ Das Ende des Judas Iskariot durch Selbstmord)

Siehe auch den Beitrag auf wahrerglaube.info:

Konziliare Sympathie für Judas Iskariot
Neue Sicht von Selbstmord in der Konzilskirche

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