„Ad catholici sacerdotii“ Der Priesternachwuchs
Rundschreiben Papst Pius XI. vom 20. Dezember 1935
AAS XXVIII (1936)
Inhalt
A. Sorge für die Bildungsanstalten, 1262.
1. Auswahl der Direktoren, Spirituale und Professoren, 1263.
2. Die Lehre des heiligen Thomas, 1264.
3. Regionalseminare, 1265.
B. Auswahl und Prüfung der Kandidaten, 1266.
1. Merkmale der Berufung, 1267.
2. Weisungen an die Oberen und Seelenführer, 1268.
3. Verantwortung des Bischofs, 1269.
4. Ratschläge und Mahnungen der Heiligen, 1270.
5. Qualität statt Quantität, 12671.
C. Mittel zur Weckung von Berufen
1. Das Gebet, 1272.
2. Förderung von Priesterberufen, 1273.
a) Durch die Katholische Aktion, 1274.
b) Durch die Familie:
α) Einfluss der christlichen Eltern, 1275.
β) Widerstand der höheren Kreise, 1276.
IV. Aufruf an alle Priester
1. Seid heilige Priester, 1277.
2. Empfehlung der Exerzitien, 1278.
a) Zur Erneuerung der Weihegraden, 1279.
b) Zur Sicherung des Fortschritts, 1280.
3. Ermahnung der Priesteramtskandidaten, 1281.
Schluss: Die neue Messe „Vom höchsten und ewigen Priestertum Jesu Christi“, 1282.
„Ad catholici sacerdotii“ – Teil 2: Der Priesternachwuchs
III. Der Priesternachwuchs
A. Sorge für die Bildungsanstalten
1262 Erhaben ist die Würde des Priesters, und wirklich groß sind die Anforderungen, die sie an ihn stellt. Darum, Ehrwürdige Brüder, müssen auch die Kandidaten des Priestertums unbedingt eine der Würde und dem Amte entsprechende Ausbildung erhalten. Die Kirche war sich dieser Notwendigkeit bewusst. Sie hat darum wohl für nichts anderes im Laufe der Jahrhunderte eine so zarte Sorge und mütterliche Aufmerksamkeit gezeigt wie für die Ausbildung ihrer Priester. Sie weiß sehr wohl, dass, wenn die religiöse und sittliche Lage der Völker zum großen Teil vom Priesterstand abhängt, die Zukunft des Priesters von der Ausbildung bestimmt wird, die er empfangen hat.
Auch für ihn bleibt das Wort des Heiligen Geistes wahr: Selbst im Alter weicht der Mensch von dem Wege seiner Jugend nicht ab (Spr. 22, 6). Daher wünschte die Kirche auf die Anregung des Heiligen Geistes hin, dass allerorts Seminare errichtet werden, in denen die Priesteramts-Kandidaten heranwachsen und erzogen werden sollen.
1. Auswahl der Direktoren, Spirituale und Professoren
1263 Das Seminar müsst ihr daher, Ehrwürdige Brüder, die ihr mit Uns die verantwortungsschwere Leitung der Kirche teilt, wie euren Augapfel behüten. Es ist und muss der Hauptgegenstand eurer Sorge sein. Besonders sorgfältig muss die Auswahl der Obern, der Lehrer und vor allem des Spirituals sein; denn dieser hat ja einen so innigen und wichtigen Anteil an der Bildung der Priesterseele. Gebt euern Seminaren die besten Priester! Fürchtet nicht, sie auch Aufgaben zu entziehen, die scheinbar wichtiger sind, aber in Wirklichkeit nicht verglichen werden können mit dieser grundlegenden und unersetzbaren Tätigkeit. Sucht sie auch anderswo, wo immer ihr für diese hohe Aufgabe wirklich geeignete Männern findet!
Männer sollen es sein, die zuerst durch ihr Beispiel, dann durch ihr Wort die priesterlichen Tugenden lehren, und die es verstehen, mit dem Wissen auch den gediegenen, mannhaften, apostolischen Geist einzuflößen. Sie sollen im Seminar Frömmigkeit, Reinheit, Zucht und Studium zur Blüte bringen. Die jugendlichen Herzen sollen sie in kluger Weise nicht bloß gegen die augenblicklichen Versuchungen festigen, nein, auch gegen die weit schwereren Gefahren, denen sie sich später in der Welt ausgesetzt sehen; denn in ihr müssen sie einst leben, um alle zu retten (1 Kor. 9, 22).
2. Die Lehre des heiligen Thomas
1264 Damit die künftigen Priester jenes zeitgemäße Wissen besitzen — wir Wir oben angeführt haben —, ist es von höchster Bedeutung, dass sie nach einer gründlichen Ausbildung in den klassischen Studien auch gut in der scholastischen Philosophie »nach Art, Lehre und Grundsätzen des Doctor angelicus« (Cod. Iur. Can. can. 1366, § 2) unterrichtet und geübt werden. Diese Philosophia perennis, wie sie
Unser großer Vorgänger Leo XIII. genannt hat, ist ihnen nicht nur für die Vertiefung des Dogmas nötig, sondern bewahrt sie auch wirksam gegen alle Arten moderner Irrtümer: sie befähigt ihren Geist, das Wahre vom Falschen genau zu unterscheiden, und verleiht ihnen in den verschiedensten Fragen oder späteren Studien eine Klarheit des Denkens, die dem anderer, die diese philosophische Schulung nicht erhalten haben, weit überlegen ist, auch wenn diese mit einem ausgedehnteren Einzelwissen ausgerüstet sind.
3. Regionalseminare
1265 Vielleicht gestatten aber, wie es besonders in einigen Gebieten der Fall ist, die geringe Ausdehnung der Diözese, ein bedauernswerter Mangel an Nachwuchs, Knappheit an Mitteln und geeignetem Personal nicht jeder Diözese die Errichtung eines eigenen Seminars, das allen Bestimmungen des Kirchlichen Gesetzbuches (Cod. Iur. Can. tit. 21, can. 1352—1371) und den sonstigen kirchlichen Vorschriften wahrhaft entspricht. In diesem Falle ist es höchst angebracht, dass sich die Bischöfe dieses Gebietes in brüderlicher Weise helfen und mit vereinten Kräften ein gemeinsames Seminar unterhalten, das seiner hohen Aufgabe vollständig gewachsen ist.
Die großen Vorteile einer solchen Kräftevereinigung lohnen reichlich die Opfer, die man dafür gebracht hat. Zuweilen wird es freilich einen schmerzlichen Verzicht für das Vaterherz des Bischofs bedeuten, zu sehen, wie seine Kleriker zeitweilig getrennt werden von ihm, dem Hirten, der doch selbst gerne seinen apostolischen Geist in die Herzen seiner künftigen Mitarbeit senken möchte, und von dem Arbeitsfeld, auf dem sie einmal ihre Hirtensorge betätigen sollen. Aber dieses Opfer wird doch dadurch überreich belohnt, dass er sie weit besser durchgebildet zurückerhält und reichlicher ausgestattet mit geistlichen Gütern, die sie dann in größerer Fülle und mit größerem Segen zum Wohle ihrer Diözese ausspenden werden.
Darum haben Wir es nie unterlassen, solche Pläne zu unterstützen, zu fördern und zu begünstigen, ja oft haben Wir sie sogar angeregt und empfohlen. Wo Wir es für notwendig hielten, haben Wir selbst eine Anzahl solcher Regionalseminare errichtet oder vervollkommnet oder erweitert, und zwar, wie allen bekannt ist, unter großen Kosten und nicht geringen Bemühungen. Und auch in Zukunft werden Wir weiter mit Gottes Hilfe eifrig an einem Werke mitarbeiten, das Wir unter diejenige rechnen, die am meisten zum Wohle der Kirche dienen.
B. Auswahl und Prüfung derKandidaten
1266 Aber all diese herrlichen Anstrengungen für die Erziehung des Priesternachwuchses würden nur wenig Nutzen bringen ohne eine sorgfältige Auslese der Kandidaten, für die die Seminare errichtet und unterhalten sind. Daher müssen an der guten Auswahl alle mitarbeiten, die in Bezug auf die Ausbildung des Klerus in leitender Stellung sind: die Obern, die Spirituale und die Beichtväter, jeder in der Weise und in den Grenzen seines Amtes! Sie sollen zwar mit den göttlichen Beruf pflegen und festigen.
Aber mit nicht geringerem Eifer sollen sie zeitig von einem Wege, der nicht der ihrige ist, abzubringen suchen und entfernen jene jungen Leute, die offenbar nicht die erforderliche Tauglichkeit zum geistlichen Berufe haben, und von denen man daher voraussieht, dass sie nicht imstande sein werden, ihre priesterlichen Verpflichtungen würdig und angemessen zu erfüllen.
Am besten ist es, ungeeignete Leute gleich zu entfernen. Denn Zögern und Warten bedeutet in solchen Angelegenheiten nur schweren Irrtum und großen Schaden. Sollte man jedoch aus irgendeinem Grunde gezögert haben, so muss man den Fehler wieder gutmachen, sobald man ihn erkannt, ohne menschliche Rücksichten, ohne jenes falsche Mitleid, das zu einer wahren Grausamkeit würde nicht bloß der Kirche gegenüber, weil man ihr einen untauglichen und unwürdigen Diener gäbe, sondern auch dem jungen Mann selbst gegenüber, der, auf einem falschen Weg belassen, nur zu leicht sein und anderer ewiges Heil gefährden würde.
1. Merkmale der Berufung
1267 Für den wachsamen und erfahrenen Blick des Seminarleiters, der die ihm anvertrauten jungen Männer und ihre Neigungen im einzelnen liebevoll studiert, wird es nicht schwierig sein, sich über den echten Priesterberuf eines jeden zu vergewissern. Dieser zeigt sich, wie ihr wisst, Ehrwürdige Brüder, weniger in einem Gefühle des Herzens oder in einer spürbaren Neigung der Seele, die mitunter fehlen oder vergehen können, sondern vielmehr in der rechten Absicht des Priesteramtskandidaten im Verein mit all den körperlichen, geistigen und sittlichen Anlagen, die ihn für diesen Stand geeignet machen.
Wer nach dem Priestertum strebt einzig aus dem edlen Beweggrund, sich dem Dienste Gottes und dem Heile der Seelen zu weihen, und dazu gediegene Frömmigkeit, erprobte Reinheit des Lebens und genügendes Wissen — »genügend« in dem von Uns oben erklärten Sinn — besitzt oder sich ernstlich darum bemüht, der zeigt, dass er von Gott zum Priesterstand berufen ist.
Wer dagegen, vielleicht von unklugen Eltern gedrängt, diesen Stand erwählen wollte wegen der Aussicht auf zeitliche und irdische Vorteile, die er im Priestertum sieht oder von ihm erhofft, wie es in der Vergangenheit häufiger geschah; wer sich gewohnheitsmäßig gegen Gehorsam und Disziplin vergeht, wer wenig Neigung zur Frömmigkeit, wenig Liebe zur Arbeit und wenig Seeleneifer besitzt; besonders aber wer zur Sinnlichkeit neigt und auf Grund einer langen Erfahrung gezeigt hat, dass er sie nicht zu beherrschen versteht; wer endlich ungeeignet ist für das Studium, so dass er voraussichtlich den vorgeschriebenen Studiengang nicht mit genügendem Erfolg machen kann: alle diese sind für das Priestertum nicht geschaffen!
Lässt man sie aber doch gleichsam bis zur Schwelle des Heiligtums kommen, so macht man ihnen den Rücktritt immer schwieriger, ja man treibt sie vielleicht sogar an, aus menschlichen Rücksichten die Schwelle des Heiligtums ohne Beruf und priesterlichen Geist zu überschreiten.
2. Weisungen an die Oberen und Seelenführer
1268 Die Seminarleiter, die Spirituale und Beichtväter mögen daher bedenken, welch schwere Beantwortung sie vor Gott, vor der Kirche und vor den jungen Leuten selbst auf sich nehmen, wenn sie von ihrer Seite nicht tun, was sie tun können, um einen so falschen Schritt zu verhindern.
Auch die Beichtväter und Spirituale könnten, so sagten Wir, für einen so schweren Irrtum verantwortlich sein. Nicht etwa, weil sie nach außen hin irgendetwas tun könnten, was ihnen ja aufs strengste ihr Amt, das so viel Feingefühl verlangt, und oft sogar auch das unverletzliche Beichtgeheimnis verbietet, sondern weil sie einen großen Einfluss auf den Geist der einzelnen Alumnen auszuüben vermögen und einen jeden mit väterlicher Festigkeit so, wie es sein geistliches Wohl erfordert, leiten müssen.
Sie haben daher die Pflicht, zumal wenn aus irgendeinem Grunde die Obern nicht eingreifen oder sich schwächlich zeigen, ohne Menschenrücksicht die untauglichen und unwürdigen Alumnen auf die Verpflichtung aufmerksam zu machen, zurückzutreten, solange es noch Zeit ist. Sie sollen sich dabei an die sicherere Auffassung halten, die in einem solchen Falle für das Beichtkind auch die wohlwollendere ist, da sie es vor einem Schritt bewahrt, der für es ewig verhängnisvoll sein könnte.
Auch in den Fällen, wo es ihnen nicht ganz klar ist, dass sie eine strenge Verpflichtung auferlegen müssen, sollen sie wenigstens von dem ganzen Ansehen Gebrauch machen, das ihnen ihr Amt und ihr väterliches Wohlwollen zu ihren geistlichen Söhnen gibt, um die Ungeeigneten zum freiwilligen Rücktritt zu veranlassen.
Die Beichtväter mögen an jenes Wort denken, das der hl. Alfons von Liguori in einer ähnlichen Frage schreibt: »Allgemein gesprochen, (in diesen Fällen) wird der Beichtvater umso mehr dem Seelenheile seiner Beichtkinder deinen, je strenger er mit ihnen verfährt; dagegen wird er um so grausamer gegen sie sein, je gutmütiger er mit ihnen ist. Der hl. Thomas von Villanova nannte solche allzu gütigen Beichtväter herzlos barmherzig, impie pios. Eine solche Liebe ist aber gegen die Liebe« (Opere asc. vol. 3; Ausg. Marietti, 1847, S. 122).
3. Verantwortung des Bischofs
1269 Die Hauptverantwortung trägt aber stets der Bischof. Denn nach dem strengen Gesetz der Kirche »darf er keinem die höheren Weihen spenden, von dessen kanonischer Eignung er nicht auf Grund positiver Beweise moralische Sicherheit hat. Sonst begeht er selbst nicht bloß eine sehr schwere Sünde, sondern setzt sich noch obendrein der Gefahr aus, auch fremder Sünden mitschuldig zu werden« (Cod. Iur. Can. can. 973, § 3). In diesem Kanon klingt sehr deutlich die Mahnung des Apostels an Timotheus nach: Lege niemand voreilig die Hände auf, und mache dich nicht fremder Sünden mitschuldig! (1. Tim. 5, 22.)
»Voreilig die Hände auflegen, bedeutet aber«, nach einer Erklärung Unseres Vorgängers, des hl. Leo des Großen, »die Übertragung der priesterlichen Würde an die, welche noch nicht die Reife des Alters und das Verdienst des Gehorsams besitzen, noch genügend lange erprobt sind und ihre Treue gegenüber der Kirchenzucht bewiesen haben; und sich fremder Sünden mitschuldig machen, bedeutet, dass der weihende Bischof so wird, wie jener ist, der die Weihe nicht verdient« (Ep. 12: PL 54, 647). »Darum«, so richtet der hl. Johannes Chrysostomus an den Bischof das Wort, »wirst auch du für seine vergangenen und zukünftigen Sünden bestraft werden, der du ihm die Würde verliehen hast« (Hom. 16 in Tim.: P. G. 62, 587).
4. Ratschläge und Mahnungen der Heiligen
1270 Ernste Worte, Ehrwürdige Brüder, aber noch viel erschreckender ist die Verantwortung, auf die sie hinweisen. Sie ließ den großen Bischof von Mailand, den hl. Karl Borromäus, das Wort sprechen: »In dieser Angelegenheit kann schon eine kleine Nachlässigkeit mir eine schwere aufbürden« (Hom. ad ordinand., d. 1 Iun. 1577: Homiliae, ed. Bibl. Ambros., Mediolani 1747, t. 4, pag. 270). Haltet euch darum an den Rat des oben schon zitierten hl. Johannes Chrysostomus: »Nicht nach der ersten, auch nicht nach der zweiten oder dritten Prüfung, sondern erst, nachdem du dich genau umgehört und sorgfältige Untersuchungen angestellt hast, lege die Hände auf« (Hom. 16 in Tim.: PG 62, 587).
Vor allem gilt das von der untadeligen Lebensführung der Priesteramtskandidaten. »Es genügt nicht«, schreibt der heilige Bischof und Kirchenlehrer Alfons Maria von Liguori, »dass der Bischof nichts Nachteiliges über den Weihekandidaten erfahren hat, er muß vielmehr über sein wirklich tugendhaftes Verhalten Gewissheit haben« (Theol. mor., de Sacram. Ord. n. 803). Fürchtet darum nicht, zu strenge zu erscheinen, wenn ihr im Hinblick auf euer Recht und in Erfüllung eurer Pflicht schon vor der Weihe solche positiven Beweise der Tugend verlangt und im Zweifelsfalle die Weihe aufschiebt.
»Geeignetes Bauholz fällt man im Walde«, schreibt der hl. Gregor der Große. »Aber man setzt die Last des Gebäudes nicht zu früh auf die frisch gefällten Stämme. Man wartet vielmehr so lange, bis sie trocken und für den Gebrauch tauglich geworden sind. Vernachlässigt man diese Vorsicht, so brechen die noch grünen Stämme unter der Last zusammen« (lib. 9, ep. 106: P. L. 70, 1031), oder, um die knappen und klaren Worte des hl. Thomas zu gebrauchen, »die heiligen Weihen setzen Heiligkeit voraus. … Deshalb ist die Last der Weihen auf Wände zu setzen, durch die Heiligkeit die Feuchtigkeit der Laster verloren haben« (Summ. Theol. 2, 2, q. 189, a. 1 ad 3).
5. Qualität statt Quantität
1271 Werden übrigens sämtliche kanonischen Vorschriften sorgfältig beobachtet, richten sich alle nach den klugen Weisungen, die Wir vor einigen Jahren durch die heilige Sakramenten-Kongregation über diese Frage veröffentlichen ließen (Instructio super scrutinio candidatorum instituendo antequam ad ordines promoveantur, d. d. 27 Dec. 1930: AAS vol. 23, pag. 120), dann bleiben viele Tränen der Kirche und viele Ärgernisse den Gläubigen erspart.
Ähnliche Richtlinien sind auf Unsern Wunsch für die Ordensleute gegeben worden (Instructio ad supremos Religiosorum etc. Moderatores de formatione clericali etc., d. d. 1 Dec. 1931: AAS vol. 24, pag. 74-81). Ihre genaue Beobachtung schärfen Wir allen ein, die sie angehen, und ermahnen die Generalobern aller religiösen Institute, die junge Leute haben, welche fürs Priestertum bestimmt sind, sie sollen alles, was Wir bis jetzt in Bezug auf die Heranbildung des Klerus empfohlen haben, auch als an sich gerichtet betrachten. Sie präsentieren ja ihre Alumnen zur Weihe, und der Bischof verläßt sich gewöhnlich auf ihr Urteil.
Weder die Bischöfe noch die Ordensobern sollen sich von dieser notwendigen Strenge abschrecken lassen aus Furcht, die Zahl der Priester könne sich in ihrer Diözese oder Genossenschaft dadurch vermindern. Der hl. Thomas hat sich schon diese Schwierigkeit vorgelegt und beantwortet sie so in seiner gewohnten Klarheit und Weisheit: »Wenn die Würdigen geweiht und die Untauglichen ferngehalten würden, dann wird Gott seine Kirche nie so verlassen, dass nicht geeignete Männer in hinreichender Zahl für die Bedürfnisse des Volkes gefunden werden« (Summ. Theol., Suppl. q. 36, a. 4 ad 1).
»Übrigens«, so bemerkt derselbe heilige Kirchenlehrer sehr gut fast mit denselben ernsten Worten wie das 4. Allgemeine Laterankonzil (Conc. Later. IV, an. 1215, can. 22: Decret. p. I, dist. 23, can. 4), »sollten sich nicht so viele Diener des Altares finden lassen, wie es jetzt gibt, so wäre es immer noch besser, wenige gute als viele schlechte zu haben« (S. Thom. a. a. O.).
Es ist derselbe Gedanke, den Wir bei einer feierlichen Gelegenheit erwähnt haben, nämlich damals, als Wir bei Gelegenheit erwähnt haben, nämlich damals, als Wir bei Gelegenheit der internationalen Wallfahrt der Seminaristen im Jahre Unseres Priesterjubiläums vor einer großen Anzahl von Erzbischöfen und Bischöfen Italiens sagten: ein gut durchgebildeter Priester sei mehr wert als viele, die wenig oder gar nicht vorbereitet seien und auf die die Kirche sich nicht verlassen könne, mögen sie ihr auch keinen Anlass zu ernster Sorge geben (vgl. Osserv. Rom. 1929, Nr. 176, 29./30. Juli).
Welch furchtbare Rechenschaft, Ehrwürdige Brüder, müssten wir dem Obersten Hirten (1. Petr. 5, 4) und Höchsten Bischof der Seelen (1. Petr. 2, 25) ablegen, wenn wir diese Seelen ungeeigneten und unfähigen Führern anvertraut hätten!
C. Mittel zur Weckung von Berufen
1. Das Gebet
1272 Obgleich man immer die Wahrheit im Auge behalten muss, dass die große Zahl der Seminaristen an sich nicht die Hauptsorge für die Erzieher des Klerus sein darf, sollen sich aber doch alle bemühen, dass die Schar tüchtiger und eifriger Arbeiter im Weinberge des Herrn wachse, besonders, weil die religiösen Bedürfnisse der Menschheit statt abzunehmen ständig steigen. Das leichteste, zugleich wirksamste und auch ganz allgemein anwendbare Mittel für diesen edlen Zweck ist das Gebet. Zu ihm sollen deshalb alle fleißig ihre Zuflucht nehmen nach dem Gebot Jesu Christi selbst: Die Ernte ist groß; aber der Arbeiter sind wenige. Bittet darum den Herrn der Ernte, dass er Arbeiter in seine Ernte sende! (Matth. 9, 37 38.)
Welches Gebet könnte auch dem heiligsten Herzen unseres Erlösers lieber sein; welches Gebet könnte eher und reichlicher auf Erhörung rechnen als jenes, das so sehr den brennenden Wünschen des göttlichen Herzens selbst entspricht? Bittet also, und es wird euch gegeben werden! (Matth. 7, 7.) Bittet um gute und heilige Priester! Der Herr wird sie seiner Kirche nicht verweigern. Immer hat er sie ihr im Laufe der Jahrhunderte gewährt, auch in Zeiten, die weniger geeignet schienen zur Erweckung von Priesterberufen; ja gerade dann in noch größere Zahl, wie allein die katholische Hagiographie des 19. Jahrhunderts bezeugt, die so reich an herrlichen Gestalten des Welt- und Ordensklerus ist.
Unter ihnen glänzen als Sterne erster Größe jene drei ganz großen Heiligen, die sich auf drei so sehr verschiedenen Arbeitsfeldern betätigt haben und denen Wir zu Unserer großen Freude den Glorienschein der Heiligen verleihen durften: der hl. Johannes Maria Vianney, der hl. Joseph Benedikt Cottolengo und der hl. Johannes Bosco.
2. Förderung von Priesterberufen
1273 Indes dürfen die menschlichen Bemühungen zur Pflege der kostbaren Saat des Priesterberufes, die Gott so reichlich in die Herzen großmütiger junger Männer ausstreut, nicht vernachlässigt werden. Darum loben, segnen und empfehlen Wir von ganzem Herzen jene Segen bringenden Werke, die in großer Mannigfaltigkeit und mit zahllosen heiligen, vom Heiligen Geist eingegebenen Bemühungen die Priesterberufe hüten, fördern und unterstützen wollen. »Mögen wir noch soviel nachdenken«, versicherte der liebenswürdige Heilige der Nächstenliebe, Vinzenz von Paul, »immer werden wir feststellen müssen, dass wir zu nichts Größerem hätten mitwirken können als zur Heranbildung guter Priester« (vgl. P. Renaudin, St Vincent de Paul chap. 5).
Nichts in der Tat ist Gott wohlgefälliger, nichts für die Kirche ehrenvoller, nichts für die Seelen gewinnbringender als das kostbare Geschenk eines heiligen Priesters! Und wenn schon jeder, der einen Becher Wassers einem der geringsten Jünger Christi reicht, nicht seines Lohnes verlustig gehen wird (Matth. 10, 42), welchen Lohn wird dann erst jener erhalten, der sozusagen in die reinen Hände eines jungen Leviten den heiligen Kelch gibt, in dem das Blut der Erlösung rot leuchtet, und ihm diesen Kelch zum Himmel erheben hilft als Unterpfand des Friedens und Segens für die Menschheit?
a) Durch die Katholische Aktion
1274 Und hier geht Unser Gedanke in Dankbarkeit zur Katholischen Aktion, die Wir so unablässig gewünscht, gefördert und verteidigt haben. Als Anteilnahme der Laienwelt am hierarchischen Apostolat der Kirche kann sie gegen diese lebenswichtige Frage der Priesterberufe nicht gleichgültig sein. Zu Unserem innigen Trost sehen Wir auch, dass sie sich überall, wie auf jedem andern Feld christlicher Betätigung, so in besonderer Weise auf diesem auszeichnet.
Sicherlich ist der reichste Lohn für diese Wirksamkeit gerade der wahrhaft erstaunliche Reichtum an Priester- und Ordensberufen, die im Schoß ihrer Jugendverbände heranreifen und so zeigen, dass diese nicht nur ein fruchtbarer Boden für das Gute sind, sondern auch ein wohl gehütetes und wohl gepflegtes Beet, in dem die schönsten und zartesten Blumen ohne Gefahr sich entwickeln können.
Alle Mitglieder der Katholischen Aktion mögen die Ehre fühlen, die dadurch auf ihre Vereinigung zurückstrahlt, und sie mögen überzeugt sein, dass der katholische Laienstand durch diese Mitarbeit an dem Wachstum des Welt- und Ordensklerus in vorzüglichster Weise teilnimmt an der hohen Würde des königlichen Priestertums (1. Petr. 2, 9), die der Apostelfürst dem ganzen Volke der Erlösten zuschreibt.
b) Durch die Familie
α) Einfluss der christlichen Eltern
1275 Aber der beste und natürlichste Boden, aus dem fast wie von selbst die Blumen des Heiligtums keimen und erblühen müssen, ist immer die echt und tief christliche Familie. Die Mehrzahl der heiligen Bischöfe und Priester, deren Lob die Kirche verkündet (Ekkli. 44, 15), verdanken die Grundlage ihres Berufes und ihrer Heiligkeit dem Beispiel und den Unterweisungen eines Vaters voll Glauben und mannhafter Tugend, einer keuschen und frommen Mutter, einer Familie, in der neben der Sittenreinheit die Liebe zu Gott und dem Nächsten als Königin herrschte.
Die Ausnahmen von dieser Regel der gewöhnlichen göttlichen Vorsehung sind selten und bestätigen nur die Regel selbst. Wenn in einer Familie die Eltern nach dem Beispiel von Tobias und Sara Gott um eine zahlreiche Nachkommenschaft bitten, durch die der Name des Herrn in alle Ewigkeit gepriesen werde (Tob. 8, 9), und die Kinder mit Dankbarkeit als Geschenk des Himmels und als kostbaren Schatz annehmen,
wenn sie sich alle Mühe geben, ihnen von den ersten Kinderjahren an heilige Gottesfrucht, christliche Frömmigkeit, eine innige Verehrung zu Christus im heiligsten Sakramente und zu der Unbefleckten Jungfrau, Achtung und Ehrfurcht von den heiligen Orten und Personen einzuflößen;
wenn die Kinder in ihren Eltern das Vorbild eines ehrbaren, arbeitsamen und frommen Lebens sehen; wenn sie sehen, wie sich die Eltern im Herrn lieben, wie sie oft zu den heiligen Sakramenten gehen, wie sie nicht bloß die kirchlichen Abstinenz- und Fastengebot beobachten, sondern auch dem Geist der freiwilligen christlichen Abtötung entsprechen;
wenn sie Zeugen sind, wie die Eltern beten und die ganze Familie im Hauf zum Gebet um sich versammeln, weil das gemeinsame Gebet dem Himmel wohlgefälliger ist:
wenn sie ihr mitleidiges Herz für das Leid anderer kennen und sehen, wie sie mit den Armen das viele oder Wenige teilen, das sie besitzen: dann kann es kaum vorkommen, dass nicht wenigstens eines dieses Kinder, die sich doch alle bemühen, dem Beispiel der Eltern nachzueifern, in seinem Herzen die Einladung des göttlichen Meisters hört: Komm, folge mir nach (Matth. 19, 21), und ich werde dich zum Menschenfischer machen!“ (Matth. 4, 19.)
Glücklich jene Eltern, die eine solche Berufung als eine ganz große Ehre, als einen ganz besondern Liebeserweis des Herrn für ihre Familie anzusehen wissen! Sie haben vielleicht nicht um ein solches Kommen Gottes, um einen solchen göttlichen Ruf an ihre Söhne inbrünstig gebetet, wie es häufiger als heute in Zeiten stärkeren Glaubens geschah; aber sie haben doch wenigstens davor keine Furcht gehabt.
β) Widerstand der höheren Kreise
1276 Leider müssen Wir indes gestehen, dass oft, nur zu oft, Eltern, auch solche, die sich rühmen, aufrichtige Christen und Katholiken zu sein, zumal in den höheren und gebildeteren Kreisen der Gesellschaft, sich offenbar mit der Berufung ihrer Kinder zum Priester- oder Ordensstande nicht zufrieden erklären wollen.
Ungescheut bekämpften sie mit allen möglichen Mitteln den göttlichen Ruf, auch mit Mitteln, die nicht bloß den Beruf zum Stand einer höheren Vollkommenheit gefährden, sondern selbst das Gewissen und das ewige Heil jener Seelen, die ihnen doch so teuer sein müssten. Sicher bringt dieser bedauerlicher Missbrauch jenen höheren Gesellschaftskreisen, die heute so spärlich, allgemein gesprochen, in den Reihen des Klerus vertreten sind, keine Ehre ein; ebenso wenig wie jener entgegensetze Übelstand vergangener Jahrhunderte, da man die Söhne gegen ihren Willen und ohne jegliche Eignung (vgl. Cod. Iur. Can. can. 971) zum Klerikerstand zwang.
Gewiss, die Zerstreuungen des modernen Lebens, die Verführungen, die zumal in den Großständen die jugendlichen Leidenschaften vorzeitig wecken, die Schulen ferner, die vielerorts der Entwicklung von religiösen Berufen so wenig förderlich sind, verursachen und erklären zum großen Teil die bedauerliche Seltenheit solcher Berufe in den wohlhabenden und vornehmen Familien. Aber es lässt sich auch nicht leugnen, dass diese Seltenheit auch eine schmerzliche Abnahme des Glaubensgeistes in diesen Familien zeigt.
In der Tat, wenn man die Dinge im Licht des Glaubens betrachten würde, welch höhere Würde könnten dann christliche Eltern ihren Kindern wünschen; welch vornehmeres Amt als jenes, das — wie Wir gesagt haben — der Verehrung der Menschen und Engel würdig ist? Eine lange, schmerzliche Erfahrung lehrt, dass ein verratener Beruf (man halte dieses Wort nicht für zu scharf!) eine Quelle von Tränen nicht nur für den Sohn ist, den Gott rief, sondern auch für die unklugen Eltern; und verhüte Gott, dass solche Tränen zu ewigen Tränen werden.
IV. Aufruf an alle Priester
1. Seid heilige Priester
1277 Und jetzt wollen Wir an euch, geliebte Söhne, Unser väterliches Wort richten, an euch alle aus dem Welt- und Ordensklerus auf dem weiten katholischen Erdenrund, die ihr Priester des Allerhöchstens seid. Ihr, Unser Ruhm und Unsere Freude (1. Thess. 2, 20), tragt mit Großmut die Last und Hitze des Tages (Matth. 20, 12). Ihr seid Uns und Unsern Brüdern im Bischofsamt eine so starke Hilfe bei der Erfüllung der Pflicht, die Herde Christi zu weiden. Empfanget dafür Unsern väterlichen Dank und Unsere warme Ermunterung.
Und da Wir euren lobenswerten Eifer kennen und schätzen, rufen Wir euch in Unserer Sorge auf, mitzuhelfen in den Nöten der Gegenwart. Je drückender diese werden, um so größer und stärker muss euer Wirken für die Erlösung sein. Denn ihr seid das Salz der Erde und das Licht der Welt (Matth. 5, 13-14).
Damit aber euer Wirken wirklich von Gott gesegnet werde und reiche Frucht bringe, muss es auf Heiligkeit des Lebenswandels gegründet sein. Diese ist, wie Wir oben erklärt haben, das erste und wichtigste Erfordernis für den katholischen Priester. Ohne sie ist der Wert aller andern guten Eigenschaften gering. Mit ihr können auch weniger begabte Priester Wunderbares leisten. Das zeigen (um nur einige Beispiele anzuführen) der hl. Joseph von Copertino und in neuerer Zeit der schon erwähnte demütige Pfarrer von Ars, der hl. Johannes Maria Vianney, den Wir allen Pfarrern zum Vorbild und himmlischen Patron gegeben haben.
Darum schaut, so rufen Wir euch mit dem Völkerapostel zu, auf euren Beruf! (1. Kor. 1, 26.) Diese Erwägung wird euch eine immer größere Wertschätzung jener Gnade geben, die euch mit der heiligen Weihe zuteilt ward, und wird euch anspornen, „würdig des Berufes zu wandeln, zu dem ihr berufen seid“ (Eph. 4, 1).
2. Empfehlung der Exerzitien
1278 Dazu wird euch in höchstem Maße jenes Mittel helfen, welches Unser Vorgänger, Pius X., seligen Angedenkens, in seiner so frommen und herzlichen Exhortatio ad clerum catholicum (Haerent animo vom 4. Aug. 1908: AAS vol. 41, p.555-577), deren eifrige Lesung Wir euch warm empfehlen, an die erste Stelle setzt unter den wirksamsten Hilfsmitteln zur Bewahrung und Stärkung der Weihegnade (a. a. O. 575), jenes Mittel, das auch Wir schon oft, zumal in Unserem Rundschreiben Mens Nostra (vom 20. Dez. 1929: AAS vol. 21, 1929, p. 689-706), in väterlicher und feierlicher Weise allen Unseren Söhnen, besonders aber Unseren Priestern, angeraten haben:
wir meinen die öfteren Geistlichen Übungen. Zum Abschluss Unseres Priesterjubiläums glaubten Wir Unsern Söhnen kein besseres und heilsameres Andenken an jenes glückliche Ereignis geben zu können als die Einladung, die Wir in dem genannten Rundschreiben an sie richteten, doch reichlicher das lebendige Wasser, das zum ewigen Leben empor quillt (Joh. 4, 14), aus diesem stets fließenden Quell zu schöpfen, der da durch Gottes Vorsehung in seiner heiligen Kirche erschlossen wurde.
Auch heute glauben Wir euch, geliebte Söhne, die ihr Uns besonders teuer seid, weil ihr mit Uns ganz unmittelbar an der Verwirklichung des Reiches Christi auf Erden mitarbeitet, Unsere väterliche Liebe nicht besser zeigen zu können als durch die eindringliche Mahnung, euch dieses gleichen Mittels zur Heiligung in bester Weise zu bedienen:
Zieht euch nach den Grundsätzen und Vorschriften Unseres erwähnten Rundschreibens in die heilige Einsamkeit der Geistlichen Übungen zurück, nicht nur in der Zeit und für die Dauer, die die Kirchengesetze streng vorschreiben (Cod. Iur. Can. can. 126 595 1001 1367), sondern auch öfter und länger, soweit es euch gestattet ist, und widmet ferner monatlich einen Tag inständigerem Gebete und größerer Sammlung (Rundschreiben Mens Nostra: AAS vol. 21, 1929, p. 705), wie es eifrige Priester schon immer getan haben.
a) Zur Erneuerung der Weihegnaden
1279 In der Einsamkeit und Sammlung wird auch jener Priester die Gnade Gottes zum Leben erwecken (2. Tim. 1, 6) können, der in das „Erbe des Herrn“ nicht auf dem geraden Wege der wahren Berufung, sondern aus irdischen oder weniger edlen Beweggründen eingetreten ist. Da auch er unlösbar an Gott und die heilige Kirche gebunden ist, bleibt ihm nichts anderes übrig, als dem Rate des hl. Bernhard zu folgen: »Mache gut deine Wege, dein Wollen und dein heiliges Amt! War das vergangene Leben nicht heilig, so soll es wenigstens das zukünftige sein« (Epist. 27, ad Ardut.: P.L. 182, 131).
Die Gnade Gottes, vor allem jene, die das Weihesakrament mit sich bringt, wird ihm, wenn er es aufrichtig wünscht, sicher helfen, das zu verbessern, was früher fehlerhaft in seinem persönlichen Verhalten war, und alle Pflichten seines Standes treu zu erfüllen, ganz gleich in welcher Verfassung er in ihn eingetreten ist.
b) Zur Sicherung des Fortschritts
1280 Aus den Tagen der Sammlung und des Gebetes werdet ihr alle dann neu gestärkt gegen die Nachstellungen der Welt heraustreten, voll heiligen Eifers für das Heil der Seelen, ganz entflammt von Gottesliebe.
So müssen die Priester mehr denn je in diesen Zeiten sein, wo zwar die Sittenverderbnis und die teuflische Bosheit erschreckend groß sind, wo man aber auch in allen Teilen der Welt ein mächtigeres religiöses Erwachen in den Seelen spürt, ein Wehen des Heiligen Geistes, das durch die Welt geht, um sie zu heiligen und durch seine Schöpferkraft das Angesicht der Erde zu erneuern (Ps. 103, 30). Erfüllt mit diesem Heiligen Geiste, werdet ihr diese große Gottesliebe wie ein heiliges Feuer allen mitteilen, die sich euch nahen.
So werdet ihr in Wahrheit zu Christusträgern mitten in einer verderbten Welt, die nur von Jesus Christus Rettung erhoffen kann. Denn er bleibt allein und für immer wahrhaft der Retter der Welt (Joh. 4, 42).
3. Ermahnung der Priesteramtskandidaten
1281 Bevor wir schließen, wenden Wir Uns in Gedanken und mit diesem Unserem Wort in besonders herzlicher Liebe an euch, ihr jungen Kleriker, die ihr euch für das Priestertum ausbildet. Aus innerstem Herzen heraus bitten Wir euch, mit allem Eifer euch für die große Sendung zu rüsten, zu der Gott euch ruft. Ihr seid die Hoffnung der Kirche und der Völker. Von euch erwarten sie viel, ja alles, weil sie von euch jene tätige und Leben spendende Erkenntnis Gottes und Jesu Christi erhoffen, in der das ewige Leben besteht (Joh. 17, 3).
Strebt danach, in Frömmigkeit und Reinheit, in Demut und Gehorsam, durch Zucht und Studium Priester so ganz nach dem Herzen Gottes zu werden! Seid überzeugt: auch die peinlichste und eifrigste Sorgfalt, mit der ihr an eurer gründlichen Ausbildung arbeitet, ist nicht zu groß! Von ihr hängt ja großenteils euer ganzes späteres apostolisches Wirken ab. Sorgt dafür, dass ihr euch der Kirche am Tage eurer Priesterweihe so vorstellen könnt, wie sie euch wünscht, dass nämlich »himmlische Weisheit, reine Sitten und treue Beobachtung der Gerechtigkeit euch empfehlen». Dann wird »der Wohlgeruch eures Lebens eine Freude für die Kirche Christi sein; dann werdet ihr in Wort und Beispiel das Haus erbauen, das da ist die Familie Gottes« (Pont. Rom., in ordinat. Presbyt.).
So allein könnt ihr die ruhmreiche Vergangenheit des katholischen Priestertums fortführen. Nur so könnt ihr die Ankunft der Glück verheißenden Stunde beschleunigen, in der sich die Menschheit der Früchte des Friedens Christi im Reiche Christi erfreuen darf.
Schluss: Die neue Messe »Vom höchsten und ewigen Priestertum Jesu Christi«
1282 Wir schließen jetzt dieses Rundschreiben mit einer Mitteilung an euch, Ehrwürdige Brüder im Bischofsamte, und durch euch an all Unsere geliebten Söhne des Welt- und Ordensklerus. Als feierliches Zeichen Unseres Dankes für jene heilige Mitarbeit, mit der sie unter eurer Führung und nach eurem Beispiel dieses Heilige Jahr der Erlösung so überaus segensreich für die Seelen gestaltet haben, besonders aber zur immerwährenden Erinnerung und Verherrlichung jenes Priestertums, an dem das Unsere, das eurige, Ehrwürdige Brüder, und das aller Priester Christi teilnimmt und das es fortsetzt, hielten Wir es, nachdem Wir den Rat der Heiligen Ritenkongregation eingeholt haben, für angebracht, eine eigene Votivmesse »vom höchsten und ewigen Priestertum Jesu Christi« verfallen zu lassen.
Wir haben den Trost und die Freude, mit diesem Rundschreiben zugleich die neue Messe veröffentlichen zu können. Sie kann an den Donnerstagen entsprechend den liturgischen Vorschriften gefeiert werden.
Zum Schluss, Ehrwürdige Brüder, erteilen Wir allen jenen apostolischen und väterlichen Segen, den alle von ihrem gemeinsamen Vater erwarten und ersehnen. Er soll sein ein Segen der Danksagung für alle Wohltaten, die Gottes Güte in diesem außerordentlichen Heiligen Jahre der Erlösung geschenkt hat; ebenso soll er ein Glück verheißender Segen für das neue Jahr sein, an dessen Schwelle wir stehen.
Gegeben zu Rom bei St. Peter, am 20. Dezember 1935, am 56. Jahrestag Unserer Priesterweihe, im 14. Jahre Unseres Pontifikates.
Papst Pius XI.
Der Teil 1: Heiligkeit und Tugendleben des Priesters



